Gedichte zum Nachdenken - sowohl lang als auch kurz; moderne und auch Klassiker.
Diese tiefgründigen Gedichte zu verschiedenen Themen eignen sich als Inspiration - Verse & Reime aus verschiedenen Epochen & Kulturen.
- Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren — Novalis
- Du musst das Leben nicht verstehen — Rilke
- Die Entwicklung der Menschheit — Kästner
- Nachtgedanken — Heine
- Kassandra — Schiller
- Tiger — Wolfenstein
- Karawane (Lautgedicht) — Ball
- Der Denker — Boldt
- Vice versa — Morgenstern
- Die Gedanken sind frei — Fallersleben
- Hälfte des Lebens — Hölderlin
- Gedenkst du noch? — Storm
- Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage … — Shakespeare
- Immer leiser wird mein Schlummer — Lingg
- Ich bin der Welt abhanden gekommen — Rückert
- Ich (kann was ich muss) — Paoli
Denken
Das Denken ist ein bewusster Prozess, bei dem ein Bild oder eine Vorstellung, eine Erinnerung oder eine Idee ohne direkten Reiz durch die Sinne gebildet wird. Überlegen, Nachdenken, Erinnern sind mit dem Denken verwandte Begriffe.
Etymologisch stammt der Begriff "Denken" vom althochdeutschen "thenken" (8. Jh.) ab - mit Ähnlichkeit zum angelsächsischen "thenkian" (siehe das englische "think"). Die Entsprechung im lateinischen ist "tongēre" (kennen, wissen) mit der Wurzelform *teng-, *tong- (denken, fühlen).
"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. Ich sehe sie beide vor mir und verknüpfe sie unmittelbar mit dem Bewusstsein meiner Existenz." [Immanuel Kant; Kritik der praktischen Vernunft, Kapitel 34, 1788]
Im "Sophistes" definiert Platon das Denken als "innere Rede, die die Seele still mit sich selbst führt" (263 d ff., Übers. Chambry). Und im "Theaitetos" hatte er es bereits als "Rede, die die Seele mit sich selbst über die Gegenstände führt, die sie untersucht" definiert (189 e ff., Übersetzung von Chambry). Das wesentliche Merkmal des Denkens ist also die Reflexivität ("mit sich selbst", "zu sich selbst").
- Es ist alles eitel — Gryphius
- Willkommen und Abschied — Goethe
- Nicht alle Schmerzen sind heilbar… — Huch
- Herbsttag — Rilke
- Geh aus, mein Herz — Gerhardt
- Andenken — Matthisson
- Das Leben des Menschen — Harsdörffer
- Grodek — Trakl
- Schuld — Haushofer
- Weltende — Hoddis
- Der rechte Weg — Werfel
Ist doch - rufen sie vermessen -
Nichts im Werke, nichts getan!
Und das Große reift indessen
Still heran.
Es erscheint nun; niemand sieht es,
Niemand hört es im Geschrei:
Mit bescheidner Trauer zieht es
Still vorbei.
Hermann Allmers (1821 - 1902) schrieb als „Marschendichter“ vor allem über Kultur und Landschaft seiner nordwestdeutschen Heimat. Siehe auch sein Gedicht: Feldeinsamkeit
„Und wenn Sie etwas lesen, vollziehen Sie nicht nur die Gedanken des Autors, berücksichtigen Sie auch, was Sie denken. Gentlemen, Sie müssen sich um eine eigene Perspektive bemühen. Und je länger sie damit warten, um so unwahrscheinlicher ist es, dass Sie sie finden.
Thoreau sagte: ‚Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller Verzweiflung.‘ Finden Sie sich nicht damit ab. Brechen Sie aus. Stürzen Sie nicht in den Abgrund wie die Lemminge. Sehen Sie sich um. […] Haben Sie den Mut Ihren eigenen Weg zu suchen!“
Quelle: Der fiktive Charakter John Keating (Robin Williams) in "Der Club der toten Dichter" (1989 verfilmt; "O Kapitän, mein Kapitän! Die grause Fahrt ist aus"; 1865; Walt Whitman)
Es wohnen die hohen Gedanken
In einem hohen Haus.
Ich klopfte, doch immer hieß es:
Die Herrschaft fuhr eben aus!
Nun klopf ich ganz bescheiden
Bei kleineren Leuten an.
Ein Stückel Brot, ein Groschen
Ernähren auch ihren Mann.
Geschöpf nicht mehr, Gebieter der Gedanken,
des Willens Herr, nicht mehr in Willens Frone,
der flutenden Empfindung Maß und Meister,
zu tief, um an Verneinung zu erkranken,
zu frei, als dass Verstocktheit in ihm wohne:
So bindet sich ein Mensch ans Reich der Geister:
So findet er den Pfad zum Thron der Throne.
So ernst, mein Freund? Ich kenne dich nicht mehr.
Schon viele Tage seh’ ich’s schweigend an,
Wie finstrer Trübsinn deine Stirne furch’t.
Auf deinem Herzen drückt ein still Gebresten,
Vertrau es mir, ich bin dein treues Weib.
[…]
Und still im Herzen hab ich mir’s bewahrt.
So höre denn und acht auf meine Rede.
Gertrud: Wilhelm Tell (Friedrich Schiller): 1. Aufzug, 2. Szene
Immer reicher, Jahr um Jahr,
grüßt es mit Geschenken…
immer froher um dich her
blüht es auf – und um so mehr
lerne dich beschränken…
Lerne dich an dem zu freu’n,
was du dir errungen
und wirf es ab, zu bereu’n,
was dir nicht gelungen!
Cäsar Flaischlen (1864 - 1920)
Ich bin wie Leib dem Geist, wie Geist dem Leibe dir;
Ich bin wie Weib dem Mann, wie Mann dem Weibe dir,
Wen darfst du lieben sonst, da von der Lippe weg
Mit ew'gen Küssen ich den Tod vertreibe dir?
Ich bin dir Rosenduft, dir Nachtigallgesang,
Ich bin der Sonne Pfeil, des Mondes Scheibe dir;
Was willst du noch? was blickt die Sehnsucht noch umher?
Wirf alles, alles hin: du weißt, ich bleibe dir!
August von Platen (1864 - 1920)
- Der Albatros — Baudelaire
- Wandrers Nachtlied — Goethe
- Die Brück′ am Tay — Fontane
- Die Füße im Feuer — Meyer
- Siebenhundert Intellektuelle beten einen Öltank an — Brecht
- Das Fräulein stand am Meere — Heine
- Punkt — Lichtenstein
- Erinnerung — Schlippenbach
Übrigens: auf unserem Schwesterprojekt finden Sie tiefsinnige Zitate zum Nachdenken — fein säuberlich nach Autoren und Themen sortiert.
wer ist denn schon bei sich
wer ist denn schon zu hause
wer ist denn schon zu hause bei sich
wer ist denn schon zu hause
wenn er bei sich ist
wer ist denn schon bei sich
wenn er zu hause ist
wer ist denn schon bei sich
wenn er zu haus bei sich ist
wer denn
Elfriede Gerstl (1932 - 2009) war eine österreichische Schriftstellerin. Als Jüdin lebte sie während der Zeit des Nationalsozialismus in einem Versteck in Wien. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte sie Medizin und Psychologie an der Universität Wien. Ab 1955 begann sie ihre Lyrik in Literaturzeitschriften zu veröffentlichen. Von 1963 bis 1971 lebte sie regelmäßig für längere Zeit in Berlin. Die Feministin Gerstl veröffentlichte neben Gedichten auch Romane und Erzählungen sowie Kinderbücher, Hörspiele und Essays.
Gedichte
Skelette geblieben aus
verglühten Leben
Jenny Aloni (geb. Rosenbaum; 1917 – 1993) war eine deutsch-israelische Schriftstellerin, die als eine der bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur in Israel gilt.
- Benn
- Gottfried Benn (1886 - 1956) war ein deutscher Dichter, Essayist und praktizierender Arzt. Er gilt als eine Figur des Expressionismus und ist neben Thomas Mann, Robert Musil, Ernst Jünger und Bertolt Brecht einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Generation. Er wurde fünfmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert - gewann ihn aber nicht. Im Jahr 1951 erfolgte die Verleihung des Georg-Büchner-Preises; seine Autobiographie "Der Ptolemäer" war bereits 1949 erschienen.
"Im Gedicht ist die Sprache zur Ruhe gebracht, und der Mensch lebt, gestillt, für einen Augenblick im Schweigen."
Sein Verhältnis zum Nationalsozialismus (Wikipedia) war ambivalent und er verblieb ebenso wie Erich Kästner in Deutschland.
Im Sommer 1912 hatte Benn eine kurze Affäre mit der jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler. Der Musiker Konstantin Wecker widmete ihm sein Lied "Ich lebe immer am Strand" (1974) mit dem Refrain:
Du, ich lebe immer am Strand
Unter dem Blütenfall des Meeres.
Du, ich sag ein Lied in den Sand,
Ein fast vertraut imaginäres.
- Astern
- Kleine Astern
- Nur zwei Dinge
- Worte
- Ein Wort
- Rosen
- "Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort." (1956).
- Brecht
- Bertolt Brecht (1898 - 1956) war ein deutscher Theaterwissenschaftler, Dramatiker und Dichter (Epoche der Neuen Sachlichkeit). Er wuchs während der Weimarer Republik auf, hatte seine ersten Erfolge als Autor in München und zog 1924 nach Berlin, wo er mit Kurt Weill die Dreigroschenoper schrieb und eine lebenslange Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hanns Eisler begann. In dieser Zeit tauchte er in das marxistische Denken ein, schrieb didaktische Lehrstücke und wurde zu einem führenden Theoretiker des epischen Theaters (das er später lieber "dialektisches Theater" nannte) und des so genannten V-Effekts.
Während der Zeit des Nationalsozialismus lebte Bertolt Brecht im Exil, zunächst in Skandinavien und während des Zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten, wo er vom FBI überwacht wurde. Nach dem Krieg wurde er vom "Komitee für unamerikanische Umtriebe" vorgeladen. Als er nach Ost-Berlin zurückkehrte, gründete er mit seiner Frau und langjährigen Mitarbeiterin, der Schauspielerin Helene Weigel, die Theatergruppe Berliner Ensemble.
Hier eine kleine Auswahl der meines Erachtens eindringlichsten (politisch & gesellschaftlich) seiner Gedichte: - An die Nachgeborenen
- Erinnerung an die Marie A.
- Siebenhundert Intellektuelle beten einen Öltank an
- Über das Frühjahr
- Der Choral vom großen Baal
- Die gute Nacht
- Weihnachtslegende
- Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die anderen sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht. [Quelle: Die Dreigroschenoper] - Haushofer
- Albrecht Georg Haushofer (1903 - 1945) war ein deutscher Geograph, Diplomat im Auswärtigen Amt, Schriftsteller und Mitglied des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Er galt als wichtigster Japan-Experte im Dritten Reich. Auch wenn wohl nicht direkt beteiligt, tauchte er kurz nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 unter. Etwa 6 Monate später wurde er gefunden und verhaftet. Im Gefängnis entstanden seine 80 "Moabiter Sonette" als Resümee seines Lebens und Ausdruck überwundener Verzweiflung.
In der Nacht zum 23. April 1945, kurz vor der Befreiung Berlins, wurde er zusammen mit 15 weiteren Gefangenen, darunter die zum Tode Verurteilten Klaus Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher, auf Befehl des SS-Gruppenführers Heinrich Müller hinterrücks erschossen. - Schuld (XXXIX)
- Mutter (XXX)
- Untergang (XLVI)
- Kosmos (LXIX)
- Das Erbe (XLVIII)
- Die Mücke (XVII)
- Hayek
- Max Hayek (1882 - 1944) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Herausgeber und Übersetzer. Er studierte in Wien und war später als Korrespondent für englische und französische Zeitungen tätig. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er in der Kaserne Dossin in Belgien inhaftiert. Gemäß einer Deportationsliste wurde er im Mai 1944 in das KZ Auschwitz-Birkenau "transportiert" und dort ermordet.
- Der Weg
- Der Film des Lebens
- Das Leben, das ich selbst gewählt (von Beat Imhof)
- Herrmann-Neiße
- Max Herrmann-Neiße (1886 - 1941) war war ein deutscher Schriftsteller. Im Zuge der Novemberrevolution 1918/19 sympathisierte er mit der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD). Kurz nach dem Reichstagsbrand 1933 verließ er gemeinsam mit seiner Frau Deutschland und ließ sich im September 1933 in London nieder. Dort war er einer der Gründer des Exil-PEN.
- Heimatlos
- Notturno
- Nacht im Stadtpark
- Dein Haar hat Lieder, die ich liebe…
- Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen
- Kanehl
- Oskar Kanehl (1888 - 1929) war ein expressionistischer Lyriker und kommunistischer Aktivist.
Er studierte Literatur und Philosophie an der Universität Würzburg und der Universität Greifswald, bevor er 1912 in das Dorf Wieck zog. Ab 1913 gab er den "Wiecker Boten" heraus, eine linke literarisch-politische Monatsschrift. Er schrieb auch Beiträge für Franz Pfemferts "Die Aktion". Bei Kriegsausbruch wurde der "Wiecker Bote" verboten, und Kanehl zog nach Berlin, wo er sein antimilitaristisches Engagement fortsetzte.
Im Jahr 1929 beging Kanehl mit einem Sturz aus dem Fenster seiner Wohnung in der Kantstraße Selbstmord. Sein Grab auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin ist erhalten. - Sonnenuntergang
- Auto
- Die Stadt
- Der Söhne junger Ruf
- Kramer
- Theodor Kramer (1897 - 1958) war ein österreichischer Lyriker jüdischer Herkunft. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs verfolgt und floh 1939 in das Vereinigte Königreich.
Thomas Mann bezeichnete ihn als „einen der größten Dichter der jungen Generation“, und Stefan Zweig und Carl Zuckmayer förderten sein Schreiben.
In den 1950er Jahren zog er sich zunehmend aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Im Jahr 1957 kehrte er auf Drängen seines Freundes Michael Guttenbrunner und Bruno Kreisky, der ihm eine Pension sicherte, nach Wien zurück. Er starb am 3. April 1958 in Wien und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof (30B-1-2) in einem Ehrengrab beigesetzt.
Nach seinem Tod geriet sein bedeutendes dichterisches Werk in Vergessenheit, wurde aber in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt. - Es ist schön
- Wer läutet draußen an der Tür?
- Lob der Verzweiflung
- Andre, die das Land so sehr nicht liebten
- Die Wahrheit ist, man hat mir nichts getan
- Wir kommen noch wie sonst zusammen…
- Wien, Fronleichnam 1939
- Der alte Gelehrte
- In schwerer Stunde gehn
- Requiem für einen Faschisten
- Mandelstam
- Ossip Emiljewitsch Mandelstam (1891- 1938) war ein russischer Dichter und einer der bedeutendsten Vertreter des Akmeismus (russische Literaturströmung der Moderne). Während der Repressionen in den 1930er Jahren wurde er von der Regierung Joseph Stalins verhaftet und verstarb in einem Arbeitslager.
- Man gab mir einen Körper
- Stalin
- Der Stein
- Keine Worte, keinerlei.
Nichts, das es zu lehren gilt.
Sie ist Tier und Dunkelheit,
sie, die Seele, gramgestillt. - Salus
- Hugo Salus (1866 - 1929) war ein böhmischer Arzt und deutschsprachiger Schriftsteller. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit veröffentlichte Salus zahlreiche Gedichtbände und Erzählungen und gehörte zu den bedeutenderen Vertretern der deutschen Prager Literatur seiner Zeit.
„Salus ist den meisten Lesern besser aus Beiträgen für die 'Jugend' und andre Zeitschriften bekannt als aus seinen Gedichtsammlungen. Das ist schade, denn gerade seine schönsten Gedichte eignen sich nicht für Zeitschriften, und die sich dafür eignen, verzerren sein dichterisches Bild. Er ist ein Sänger und ein Bildner, und die Beimischung des goldigen Humors gibt keinen schlechten Dreiklang…“ [Karl Kraus] - Das Spiegelbild
- Ausflügler
- Verträumter Großstadtabend
- Wolfenstein
- Alfred Wolfenstein (1883 - 1945) war ein deutscher Dramatiker, Übersetzer und Lyriker (Epoche des Expressionismus). Er übersetzte die Werke von Gérard de Nerval, Paul Verlaine, Arthur Rimbaud, Charles Baudelaire und Victor Hugo ins Deutsche.
Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, emigrierte er nach Prag und später nach Paris. 1940 wurde er von der Gestapo verhaftet und 3 Monate inhaftiert. Nach seiner Freilassung versteckte er sich in Südfrankreich. Nach der Befreiung kehrte er nach Paris zurück, doch er litt an Depressionen und war herzkrank, und nahm sich am 22. Januar 1945 das Leben. - Städter
- Tiger
- Das Herz
- Fahrt
- Verdammte Jugend
- Luftschiff über der Stadt
- Nacht in der Sommerfrische
- Herbst
Zähle die Mandeln,
zähle, was bitter war und dich wachhielt,
zähl mich dazu:
Ich suchte dein Aug, als du’s aufschlugst und niemand dich ansah,
ich spann jenen heimlichen Faden,
an dem der Tau, den du dachtest,
hinunterglitt zu den Krügen,
die ein Spruch, der zu niemandes Herz fand, behütet.
Dort erst tratest du ganz in den Namen, der dein ist,
schrittest du sicheren Fußes zu dir,
schwangen die Hämmer frei im Glockenstuhl deines Schweigens,
stieß das Erlauschte zu dir,
legte das Tote den Arm auch um dich,
und ihr ginget selbdritt durch den Abend.
Mache mich bitter.
Zähle mich zu den Mandeln.
Paul Celan (1920 - 1970) war ein bedeutender deutschsprachiger rumänischer Dichter und Übersetzer. Er wuchs in Cernăuţi auf. Die Region gehörte damals zu Österreich-Ungarn, und so war Deutsch neben Rumänisch die Hauptverkehrssprache der jüdischen Kulturaristokratie, der der Dichter angehörte und die fast die Hälfte der Bevölkerung der Stadt ausmachte.
In seinen letzten Lebensjahren litt er unter selbstzerstörerischen Tendenzen, Verfolgungswahn und Amnesieanfällen.
Er beging im April 1970 im Alter von 49 Jahren Selbstmord durch Ertrinken in der Seine (Paris).
Auszug aus seiner Rede "Der Meridian" anläßlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises. Darmstadt, am 22. Oktober 1960.
"Gewiß, das Gedicht – das Gedicht heute – zeigt, und das hat, glaube ich, denn doch nur
mittelbar mit den – nicht zu unterschätzenden – Schwierigkeiten der Wortwahl, dem
rapideren Gefälle der Syntax oder dem wacheren Sinn für die Ellipse zu tun, – das Gedicht
zeigt, das ist unverkennbar, eine starke Neigung zum Verstummen.
Es behauptet sich [...] sich am Rande seiner selbst; es ruft und holt sich, um
bestehen zu können, unausgesetzt aus seinem Schon-nicht-mehr in sein Immer-noch
zurück."
"Aber steht das Gedicht nicht gerade dadurch, also schon hier, in der Begegnung – im
Geheimnis der Begegnung?
Das Gedicht will zu einem Andern, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber.
Es sucht es auf, es spricht sich ihm zu.
[...]
Die Aufmerksamkeit, die das Gedicht allem ihm Begegnenden zu widmen versucht, sein
schärferer Sinn für das Detail, für Umriß, für Struktur, für Farbe, aber auch für die
„Zuckungen“ und die „Andeutungen“, das alles ist, glaube ich, keine Errungenschaft des
mit den täglich perfekteren Apparaten wetteifernden (oder miteifernden) Auges, es ist
vielmehr eine aller unserer Daten eingedenk bleibende Konzentration."
Die schwersten Wege werden allein gegangen.
Die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer sind einsam.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt,
den der Fuß noch nicht gegangen ist,
aber gehen wird.
Stehenbleiben und Umdrehen hilft nicht.
Es muss gegangen sein.
Hilde Domin (1909 - 2006) war eine deutsche Schriftstellerin, die in einer jüdischen Familie aufwuchs. Sie war vor allem als Lyrikerin bekannt und eine bedeutende Vertreterin des „ungereimten Gedichts“.
- Abend - Heinz Zucker (1910 - nach 1944) war ein deutscher Schriftsteller. Bereits 1927 wurden von Willi Fehse und Klaus Mann 5 Gedichte des erst siebzehnjährigen Dichters in die "Anthologie jüngster Lyrik" aufgenommen.
- Melancholie - Emil Alphons Rheinhardt (1889 - 1945) war ein Lyriker des Wiener Expressionismus, Lektor und Schriftsteller.
- Pro Domo - John Höxter (1884 - 1938) war ein Maler und Schriftsteller des Expressionismus und Dadaismus.
Mit der Diseuse Emmy Hennings (der späteren Ehefrau von Hugo Ball) zog er damals durch die Cafès, Spelunken und Cabarets. Obwohl homosexuell, spekuliert die Nachwelt, ob er auch ihr Liebhaber gewesen sein könnte. Bekannt wurde der morphiumabhängige Höxter durch seine Überlebenskünste als „Berlins populärster Schnorrer“. - Tanzlied des Totenschiffs - B. Traven (1882 - 1969) war das Pseudonym eines mehrfach verfilmten Bestsellerautors.
Er veröffentliche u.a. die Romane "Das Totenschiff, Die Geschichte eines amerikanischen Seemanns" (1926) und "Der Schatz der Sierra Madre" (1927) die beide auch verfilmt wurden. - Flüsterlied - Fritz Brügel (1897 - 1955) war ein österreichischer (ab 1935: tschechoslowakischer) Bibliothekar, Diplomat und Schriftsteller. Nach dem Münchner Abkommen vom September 1938 emigrierte Brügel nach Frankreich. Er hielt sich in Paris, später in Südfrankreich auf. 1941 gelang ihm die Flucht über Spanien und Portugal nach London.
- Inventur - Günter Eich (1907 - 1972) war ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Als Ehemann der Romanautorin und Lyrikerin Ilse Aichinger und ausgebildeter Sinologe war er einer der Teilnehmer der Gruppe 47.
Denke daran, dass nach den großen Zerstörungen
Jedermann beweisen wird, dass er unschuldig war. - Ich bin der Weg gen Untergang (Folg mir nicht nach, mein Bruder) — Itzik Manger (1901 – 1969) war ein bekannter jiddischer Lyriker und Dramatiker, der sich selbst als Volksbarde, Visionär und „Meister-Schneider“ des geschriebenen Wortes bezeichnete.
Außerhalb des jiddischen Sprachraumes wurde Itzik Manger wenig wahrgenommen. Alfred Margul-Sperber übersetzte 1932 erstmals einige Balladen ins Deutsche, ebenso Rose Ausländer. Auch Mascha Kaléko übersetzte einige Gedichte aus dem Band "Chumesch-Lider". - Schlaflied für Mirjam - Richard Beer-Hofmann (1866 - 1945) war ein österreichischer Romancier, Dramatiker und Lyriker. Er wurde als Sohn jüdischer Eltern geboren. Ein Jahr nach dem Anschluss Österreichs emigrierte er 1939 über Zürich nach New York, wo er 1945 eingebürgert wurde.
- Schlaflied — H. Leivick (Pseudonym von Leivick Halpern, 1888 – 1962) war ein jiddischsprachiger Schriftsteller, bekannt ist er für sein Werk „Der Golem, ein dramatisches Poem in acht Szenen“ (1921). Er schrieb auch viele hochpolitische und realistische Theaterstücke.
Er gehörte der Dichtergruppe Di Yunge an. Er nahm das Pseudonym Leivick an, um nicht mit Moyshe-Leyb Halpern, einem anderen prominenten jiddischen Dichter, verwechselt zu werden.
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