GedichtGedichte

Eine Sammlung der schönsten christlichen Gedichte, von Dichtern die nicht nur den persönlichen "Glauben" in den Vordergrund stellen. Diese besinnlichen Verse eignen sich hervorragend als Inspiration zum Nachdenken und um sie mit anderen zu teilen. Es sind kurze & lange Gedichte dabei, solche zum Nachdenken und solche über das Leben im allgemeinen. Zudem gibt zur Geburt Jesus eine Sammlung mit christlichen Weihnachtsgedichten sowie Ostergedichte.

Einige sind klassische Gedichte, andere moderne, die Menschen seit vielen Jahren motivieren - und die meisten spenden Ermutigung in den Glauben an Gott.

Lyrik

Lyrik (= Gedicht im heutigen Sprachgebrauch; von griechisch lyriké; und dies von lýra, Leier) ist die poetische Form, die traditionell intensive Gefühle oder tiefe Reflexion ausdrückt, beides Ideen als Ausdruck der Erfahrung des Selbst. Dies wird mit den formalen Mitteln von Reim, Rhythmus u. Ä. erreicht, also Dichtung in Versform. Für die alten Griechen war die Leier ein Musikinstrument, das von Hermes oder Polyhymnia erschaffen und unter anderem von Erato, der griechischen Muse der Poesie, gespielt wurde.
Aristoteles erwähnt in seiner Poetik (ca. 330 v. Chr.) die Lyrik neben Drama, Epos, Tanz und Malerei als weitere Formen der Mimesis (nachahmende Darstellung der Natur). Das Adjektiv "lyrisch" taucht erstmals im 15. Jahrhundert auf und bezieht sich auf die gesungene altgriechische Poesie, die sich damit von der dramatischen oder erzählenden Poesie unterscheidet.



Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehen, sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich presst,
Und dank ihm, wenn er dich wieder entlässt.

Johann Wolfgang von Goethe



 

"Eli, Eli, lema sabachtani" [aramäisch »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«]. Worte des sterbenden Jesus am Kreuz (Matthäus 27, 46).
"Eli, ’eli, lama ‘asawtani" [hebräisch] Vers 2 (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, bleibst fern meiner Rettung, den Worten meines Schreiens?) in Psalm 22 (Gottverlasssenheit und Rettung des todgeweihten Armen).

Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. [Søren Kierkegaard (1813 – 1855) war ein dänischer Philosoph, Essayist, Theologe & Schriftsteller]

Und plötzlich weißt du es: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen. [Meister Eckhart (1260 – 1328) war ein spätmittelalterlicher Theologe und Philosoph; siehe auch das Gedicht Stufen von Hesse.]

Ein toter Stern

So lang es noch verlassne Kinder gibt
Und arme Tiere, hoffnungslos gepeinigt,
So lang ihr nicht in Mitleid euch vereinigt
Und, wo ihr sinnlos sündigt, denkend liebt.

So lang ihr nicht mit allen Kräften schiebt
Am Rad des Fortschrittes und die Lauheit steinigt
Von allen Schmutz der Sinnlichkeit euch reinigt
Die Habsucht ächtet und die Wahrheit liebt.

So lang, ich schwör's, ist diese schöne Erde,
Trotz Kraft der Weisheit, holdem Glanz der Kunst
Beglückter Lieb', erfüllten Freiheitsträumen.

Ein toter Stern, der in den Himmelsräumen
Noch planlos dämmert, bis aus Nebeldunst
Die Gottesstimme ihn erweckt: Es werde!

Sophie von Khuenberg; aus der Sammlung "Im Lärm der Welt"


 

Christentum

Das Christentum ist eine Religion, die auf dem Glauben an die Lehren des Evangeliums (frohe Botschaft), der ersten 4 Hauptbücher des Neuen Testaments, beruht. Das Neue Testament bildet den zweiten Teil der Bibel, dem heiligen Buch der Christen.

Grundlagen

Das zunächst auf mündlicher Überlieferung beruhende Evangelium beschreibt die Lehre, das Handeln, den Tod am Kreuz und die Auferstehung aus dem Grab des Jesus von Nazareth.
Die nachfolgenden Bücher des Neuen Testaments, insbesondere die Apostelgeschichte und die Missionsbriefe, beschreiben das geistige Vermächtnis Jesu.

Der erste Teil der christlichen Bibel, das Alte Testament (der jüdische Tenach), wird vom Christentum als Vorläufer und Ankündigung des zweiten und wichtigsten Teils, des Neuen Testaments ("Zeugnis"), angesehen.

Das Christentum ist eine monotheistische Religion, ebenso wie das Judentum und der Islam. Zusammen werden diese 3 Weltreligionen als abrahamitische Religionen bezeichnet, nach dem gemeinsamen Patriarchen Abraham. Spezifisch für das Christentum ist der Glaube, dass Jesus der Sohn Gottes und der im Alten Testament prophezeite und angekündigte Messias (hebräisch; griechisch christos) ist. Die Bezeichnung Christen für die Anhänger des christlichen Glaubens wurde erstmals in Antiochia verwendet und beruht auf der Tatsache, dass der Glaube an Jesus Christus im Mittelpunkt steht.

Gebet

Lass mich verzweifeln, Gott, an mir,
Doch nicht an dir!
Laß mich des Irrens ganzen Jammer schmecken,
Lass alles Leides Flammen an mir lecken,
Laß mich erleiden alle Schmach,
Hilf nicht mich erhalten,
Hilf nicht mich entfalten!

Doch wenn mir alles Ich zerbrach,
Dann zeige mir,
Dass du es warst,
Daß du die Flammen und das Leid gebarst,
Denn gern will ich verderben,
Will gerne sterben,
Doch sterben kann ich nur in dir.

Hermann Hesse (1877 - 1962) war ein deutsch-schweizerischer Dichter, Romancier und Maler. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Demian", "Steppenwolf", "Siddhartha" und "Das Glasperlenspiel", die sich alle mit der Suche des Einzelnen nach Authentizität, Selbsterkenntnis und Spiritualität beschäftigen. Im Jahr 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Lichtmess

Stille Luft und eingewölkte Himmelskuppel, hinter deren
Lichter Alabasterwölbung steht mit silberklaren schweren
Strahlenschwertern ausgebreitet, abgedämpft und göttlich fern:

Der im Winterdunst verlorne,
Der ersehnte, neu geborne
Ungeheure Sonnenstern.

Ina Seidel (1885 - 1974) war eine deutsche Dichterin, Erzählerin und Essayistin. Sie schrieb Gedichte (vor allem Balladen), Essays und vor allem historische Romane von großer Qualität, wie z. B. "Das Wunschkind" (1930) über die Napoleonischen Kriege und "Das Labyrinth" (1922). Sie schrieb auch Kinderliteratur. Sie war mit dem Dichter Gottfried Benn befreundet.

Begeisterung

Eine Fichte ragt im Garten
träumerisch am alten Tor;
in der Äste Dunkel rankt sich
heimlich wilder Wein empor.

Keinem Auge ist er sichtbar,
kleidet ihn des Sommers Grün:
in der Herbstluft fängt die Fichte
an wie Moses' Busch zu glühn.

Aus den Ästen hoch zum Wipfel
eine Purpurflamme schlägt,
eine helle Freudenfackel,
brennt die Krone windbewegt.

So loht aus der Seele Dunkel,
wenn die rechte Stunde kam,
keiner weiß, von wem entzündet,
die Begeisterung wundersam.

Jakob Bosshart (1862 - 1924) war ein Schweizer Lehrer und Schriftsteller. Er schrieb eine Reihe von Erzählungen im Stil Gottfried Kellers, die wegen ihrer psychologisch glaubwürdigen und spannenden Handlungen geschätzt wurden. Zu seinen Werken gehören "Im Nebel" (1898), "Das Bergdorf" (1900), "Früh vollendet" (1910) und "Opfer" (1920).

Entwicklung

Im Laufe des Mittelalters entstanden innerhalb des Christentums eine "westliche" und eine "östliche" Tradition. Zur westlichen Tradition gehören der römische Katholizismus und der daraus hervorgegangene Protestantismus. Zur östlichen Tradition gehören zum einen die orientalisch-orthodoxen Kirchen, die sich vom Konzil von Chalkedon (451) distanziert haben, die östlich-orthodoxen Kirchen, die nach dem Schisma von 1054 entstanden sind und sich theologisch kaum vom römischen Katholizismus unterscheiden, und die katholischen Ostkirchen, die mit Rom verbunden sind.

Alle diese Traditionen schließen sich den Kanones des Konzils von Nizäa an. Diese wurde vom römischen Kaiser Konstantin I. im Jahre 325 n. Chr. in Nicäa (heute İznik, Türkei) bei Byzantion (heute Istanbul) einberufen. Zentraler Streitpunkt war die christologische Frage nach der Natur von Jesus und seiner Stellung gegenüber Gott dem Vater und dem Heiligen Geist.
Das Konzil endete mit dem (vorläufigen) Sieg der Gegner des Arianismus bzw. verschiedener Formen von origenistischer Hypostasen-Theologie und mit dem nicänischen Glaubensbekenntnis, das die Göttlichkeit von Jesus und die Wesenseinheit von Gott dem Vater, Jesus dem Sohn und dem Heiligen Geist (Trinität) bekräftigte.

Wie das Meer

Sei still in Gott, still wie das Meer!
Nur seine Fläche streift der Wind,
und tobt als Sturm er noch so sehr,
wiß, daß die Tiefen ruhig sind.

Sei weit in Gott, weit wie das Meer!
Es wogt nicht bloß am heim'schen Strand,
und wird dir's auch zu glauben schwer,
wiß, drüben gibt’s doch wieder Land.

Sei tief in Gott, tief wie das Meer!
Nach dort, wo dich die Welt vergißt,
sei dein Verlangen, dein Begehr,
wiß, daß die Tiefe Höhe ist.

Ja, sei, mein Herz, stets wie das Meer
in Gott so still, so tief, so weit!
Dann landest du nicht hoffnungsleer
am Küstensaum der Ewigkeit.

Karl May (1842 - 1912), war einer der weltweit meistverkauften deutschen Schriftsteller, insbesondere für seine Abenteuerromane im Wilden Westen, deren zwei Helden der Weiße Old Shatterhand und der Apache Winnetou sind.
Er schrieb auch im Nahen Osten spielende Abenteuerromane, deren Held Kara Ben Nemsi von Hadschi Halef Omar begleitet wird (z. B. in "Ein Besuch im Land des Teufels" beschreibt er die Jesiden positiv), sowie Geschichten wie "Robert Surcouf – Ein Seemannsbild" oder weniger bekannte, die in seiner deutschen Heimat angesiedelt sind, Gedichte, eine Autobiografie und ein Spiel. Außerdem komponierte er zwei berühmte romantische deutsche Lieder "Vergiss mein nicht" und eine Version des "Ave Maria".

Konfession

Die Bezeichnung christliche Konfession (lateinisch confessio ‚Geständnis‘, ‚Bekenntnis‘, ‚Beichte‘) wird manchmal verwendet, um die wichtigsten Zweige des Christentums zu bezeichnen, nämlich den Katholizismus, das orthodoxe Christentum und den Protestantismus (mit seinem evangelikalen Zweig).

Die katholische Kirche, die mehr als 1,3 Milliarden Mitglieder oder 50 % aller Christen weltweit zählt, sieht sich selbst nicht als Konfession, sondern als die ursprüngliche, vorkonfessionelle Kirche, die protestantischen Konfessionen haben insgesamt knapp 1 Milliarde Gläubige.
Katholizismus und Protestantismus (mit den wichtigsten Traditionen wie Adventismus, Täufertum, Anglikanismus, Baptisten, Irvingianismus, Luthertum, Methodismus, Mährertum, Pfingstbewegung, Quäkertum, Reformierte und Waldenser) bilden zusammen das westliche Christentum.

Die östlich-orthodoxe Kirche (etwa 230 Millionen Anhänger) betrachtet sich selbst als die ursprüngliche vorkonfessionelle Kirche. Die orthodoxen Christen, von denen 80 % ostorthodoxe und 20 % orientalisch-orthodoxe Christen sind, machen etwa 12 % der christlichen Weltbevölkerung aus. Die ostorthodoxe Kirche selbst ist eine Gemeinschaft völlig unabhängiger autokephaler Kirchen (oder "Jurisdiktionen"), die sich größtenteils gegenseitig anerkennen. In ähnlicher Weise ist die katholische Kirche eine Gemeinschaft von Kirchen "sui iuris", darunter 23 Ostkirchen.


Der Engel in dir
freut sich über dein
Licht
weint über deine Finsternis.
Aus seinen Flügeln rauschen
Liebesworte
Gedichte Liebkosungen.

Er bewacht
deinen Weg
Lenk deinen Schritt
engelwärts.

Rose Ausländer (1901 - 1988) war eine jüdische Dichterin, die auf Deutsch und Englisch schrieb. Sie wurde in Czernowitz in der Bukowina geboren und durchlebte die wechselvolle Geschichte der Zugehörigkeit zur österreichisch-ungarischen Monarchie, zum Königreich Rumänien und schließlich zur Sowjetunion. Rose Ausländer verbrachte ihr Leben in mehreren Ländern: Österreich-Ungarn, Rumänien, die Vereinigten Staaten und Deutschland.


Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Hildegard Dina Palm (geborene Löwenstein; 1909 - 2006) war eine deutsch-jüdische Dichterin, die während des Dritten Reiches in der Dominikanischen Republik ins Exil gehen musste und dort die dominikanische Staatsbürgerschaft annahm - und ihren Künstlernamen "Hilde Domin". Ab 1961 bis zu ihrem Tod lebte sie in Heidelberg.


Alles beginnt mit der Sehnsucht,
Immer ist im Herzen Raum für mehr,
für Schöneres, für Größeres.
Das ist des Menschen Größe und Not:
Sehnsucht nach Stille,
nach Freundschaft und Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärke auf.

Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott,
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht
damit anfangen,
Dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
Dich gefunden zu haben.

Nelly Sachs (1891 - 1970) war eine schwedische, jüdische, deutschsprachige Dichterin des 20. Jahrhunderts. Sie übersetzte auch Anthologien mit schwedischer Lyrik ins Deutsche.
Im Jahr 1966 erhielt sie – gemeinsam mit Samuel Joseph Agnon – den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren“


Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
kränkte seinen heil’gen Willen.

Und so muß das Rechte scheinen
Was auch Mohammed gelungen:
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen.

Johann Wolfgang von Goethe; Aus: An Suleika


Unser Nächster ist nicht nur der Mensch. Unsere Nächsten sind alle Wesen. Deshalb glaube ich, dass der Begriff der Ehrfurcht von dem Leben unseren Gedanken der Humanität mehr Tiefe, mehr Größe und mehr Wirksamkeit verleiht. [Albert Schweitzer]

Kirchenjahr

Das Kirchenjahr beginnt nach katholischer wie evangelischer Tradition am 1. Advent und endet am Totensonntag. Schwerpunkte sind der Weihnachts- und der Osterfestkreis.


Mein Gott

Heil’ger Tempel der Natur,
Heilig-stille Wunderhallen,
Drin die leisen Schläge fallen
Von der ew’gen Weltenuhr.
All im All, ein Pulsschlag nur!

Ew’ge Bibel der Natur,
Wer schrieb Deine Zauber nieder,
Deine Farben, Deine Lieder,
Deine gold’ne Sternenflur?
Jedes Blatt — trägt Gottes Spu!

Hoher Priester der Natur,
Geist vom Geiste, weih’ uns Alle,
Daß nur rein Dein Lied erschalle
Aus der Brust, die Dich erfuhr!
Du mein Gott — bist Liebe nur.

Wilhelm Baltzer (1814 - 1887) war ein deutscher Demokrat und evangelischer Theologe. Er war auch der Gründer der ersten deutschen vegetarischen Gesellschaft, des "Deutschen Vereins für natürliche Lebensweise", ein Unterstützer der Revolution von 1848 in Deutschland und ein früher Unterstützer der Wissenschaft.


 

Eine Sammlung weiterer DichterInnen, die hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, christliche Gedichte geschrieben haben.

Zur Einordnung: die Struktur dieses Portals orientiert sich an den Dichtern selbst. Für famose Gestalten wie Schiller oder Heine gibt es eigene Unterseiten. So weit so gut. Nun gibt es 2 weitere Konsorten, die Lyriker, die mit einem Gedicht vertreten sind, und diejenigen mit einer Handvoll (2-7) von Gedichten. Bei letzteren materialisiert sich ein Dilemma: sie alle auf einer einzigen Seite zu veröffentlichen, würde dieselbe völlig überfrachten.
Ich habe mich mit mir selbst dahingehend geeinigt, sie auf die verschiedenen Kategorien, wie Gedichte zum Nachdenken, Kindergedichte, Schöne Gedichte, etc. zu verteilen – je nachdem wo, meiner bescheidenen Meinung nach, der jeweilige Schwerpunkt des Poeten liegt. Logischerweise führt dies zu gewissen Unschärfen. Und ich hoffe, dass die geneigte Leserschaft diese Entscheidung mit Nachsicht betrachtet.

O Virtus Sapientiae

O Kraft der Weisheit, die Du in ewigen Bahnen kreist,
alles umfassend, auf dem einen Weg, der Leben hat;
die Du drei Flügel hast,
einen, der sich in die Höhe schwingt,
einen anderen, der sich auf der Erde müht,
einen dritten, der allüberall schwingt.
Lob sei Dir, o Weisheit.

Hildegard von Bingen (1098 - 1179) war eine deutsche Benediktineräbtissin und gilt als erste Vertreterin der deutschen mittelalterlichen Mystik. Ihr Wirken umfasste Religion, Kosmologie, Wissenschaft, Philosophie, Komposition und Musikpraxis, Poesie, Botanik und Sprachwissenschaft.
Papst Benedikt XVI. sprach sie 2012 heilig; in diesem Jahr wurde ihr auch der Ehrentitel Kirchenlehrerin verliehen. Das Zentrum der Hildegard-Verehrung ist Eibingen bei Rüdesheim am Rhein, wo sich die Abtei St. Hildegard befindet. In der Wallfahrtskirche St. Hildegard werden Hildegards Gebeine in einem goldenen Sarg aufbewahrt.


Gott ist allezeit bereit –
aber wir sind sehr unbereit.
Gott ist uns nahe,
aber wir sind ihm ferne.
Gott ist drinnen,
wir sind draußen.
Gott ist in uns heimisch,
wir sind Fremde.

Eckhart von Hochheim, auch Meister Eckhart genannt, geboren um 1260 in Hochheim in der Landgrafschaft Thüringen und gestorben am 28. Januar 1328, wahrscheinlich in Avignon (Kirchenstaat), war ein deutscher Theologe und Philosoph und der Hauptvertreter der katholischen spirituellen Strömung, die als rheinische Mystik bezeichnet wurde.

Nach seinem Eintritt in den Dominikanerorden studierte Eckhart lange Theologie, bevor er zu einem anerkannten Lehrer wurde, der an mehreren Universitäten lehrte. Er ist außerdem ein einflussreiches Mitglied des Klerus.
Obwohl er von den kirchlichen Autoritäten seiner Zeit verurteilt wurde, hatte sein Werk, das sowohl auf Latein (Universitätsunterricht) als auch auf Deutsch (Abhandlungen und Predigten) verfasst wurde, einen großen Einfluss auf das christliche Denken.

 



 

Nachklang

Ein Teil von dir ist allem beigemischt,
Was ich zu nächst gewahre und in der Ferne:
Ein Teil von meinem früheren Blick erlischt,
Seit ich in dir die Welt aufs neu erlerne.

Du lachst mir aus dem Glück der Morgensterne,
Und noch die Neblung, die sie nun verwischt,
Enthält an ihrem Rande dein Verschweben -
Schön ist der Alltag. Einfach ist das Leben:
Ein Teil von dir ist allem beigemischt.

Rudolf Borchardt (1877 - 1946) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker, Übersetzer und Redner.

An Gott, als sie bei hellem Mondschein erwachte

Wenn ich erwache, denk ich dein!
Du Gott! Der Tag und Nacht entscheidet,
Und in der Nacht mit Sonnenschein
Den finstern Mond bekleidet.

Er leuchtet königlich daher,
Aus hoher, ungemeßner Ferne,
Und ungezählt, wie Sand am Meer,
Stehn um ihn her die Sterne.

Welch eine Pracht verbreitet sich!
Die Dunkelheit geschmückt mit Lichte
Sieht auf uns nieder, nennet dich
Mit Glanz im Angesichte.

Du Sonnenschöpfer! wie so groß
Bist du im kleinsten Stern dort oben!
Wie unaussprechlich nahmenlos!
Die Morgensterne loben

Dich mit einander in ein Chor
Geschlossen, wie zu jener Stunde,
Da aus dem Chaos tief hervor
Ein Wort aus deinem Munde

Allmächtig diese Welten rief,
Am Firmament herum gesetzet.
Du sprachst, das Rad der Dinge lief,
Und läuft noch unverletzet.

Noch voller Jugend glänzen sie
Da schon Jahrtausende vergangen!
Der Zeiten Wechsel raubet nie
Das Licht von ihren Wangen.

Hier aber unter ihrem Blick
Vergehet, verfliegt, veraltet alles.
Dem Thronenpomp, dem Kronenglück
Droht eine Zeit des Falles!

Der Mensch verblüht wie prächtig Gras,
Sein Ansehn wird der Zeit zum Raube.
Der Weise, der in Sternen las,
Liegt schon gestreckt im Staube!

Ich lese, großer Schöpfer! dich
Des Nachts in Büchern, aufgeschlagen
Von deiner Hand. O lehre mich
Nach deinem Lichte fragen!

Sei meiner Seele Klarheit, du
Regierer der entstandnen Sterne!
Und blicke meinen Herzen zu,
Daß es dich kennen lerne!

Anna Louisa Karsch (1722 - 1791) war eine deutsche Autodidaktin und Dichterin aus Schlesien, die bei ihren Zeitgenossen als "Die Karschin" und "die deutsche Sappho" bekannt war.
Neben Sophie von La Roche gilt sie als eine der ersten deutsche Frauen, die von den Erträgen ihrer eigenen literarischen Werke leben konnte.

Der Herr ist mein Hirte

Psalm 23.

Weil Du, Herr Jesu, bist mein Hirt,
Weiß ich, daß Nichts mir mangeln wird.
Du weidest mich auf grüner Au',
Erquickst das Herz mit Himmelstau
lind führest mich auf rechtem Pfade
Um Deinetwill'n aus lauter Gnade.


Im finstern Tal fürcht' ich mich nicht,
Denn Du bist bei mir, Du mein Licht!
Dein Stab und Stecken trösten mich,
Ich folge Dir und schau' auf Dich
Und halte die durchbohrten Hände,
Die treu nur bleiben bis zum Ende.

Julie Hausmann (1826 - 1901) war eine deutsch-baltische Dichterin, die vor allem durch ihr Gedicht So nimm denn meine Hände" Weltberühmtheit erlangte.

 


Tischgebete

Ein Tischgebet ist ein kurzes Gebet oder eine Dankesformel, die vor oder nach dem Essen gesprochen wird. Der Begriff bezieht sich in der Regel auf christliche Traditionen. Einige Traditionen gehen davon aus, dass das Tischgebet und die Danksagung einen Segen darstellen, der die Mahlzeit heiligt. Der Begriff stammt von dem kirchlichen lateinischen Ausdruck "gratiarum actio", "Akt des Dankes". Theologisch gesehen stammt das Tischgebet aus der Bibel, in der Jesus und der heilige Paulus vor den Mahlzeiten beten (vgl. Lukas 24,30; Apostelgeschichte 27,35) Diese Praxis spiegelt die Überzeugung wider, dass der Mensch Gott danken sollte, der der Ursprung von allem ist.

Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast,
und segne, was du uns bescheret hast.

Vater, segne diese Speise,
uns zur Kraft und dir zum Preise.

Alle guten Gaben,
alles, was wir haben,
kommt, o Gott, von dir.
wir danken dir dafür!

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.

Das Brot vom Korn
Das Korn vom Licht
Das Licht aus Gottes Angesicht.


Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?
Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie
und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.
Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. [Matthäus 18, 1-5]

 

Da wurden Kinder zu ihm gebracht, dass er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger aber fuhren sie an.
Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen gehört das Himmelreich.
Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter. [Matthäus 19, 13-15]

Jesus von Nazareth (ca. 5 v. Chr. - ca. 30 n. Chr.) war ein jüdischer Wanderprediger. Ab etwa 28 n. Chr. trat er in Galiläa und Judäa öffentlich in Erscheinung. Auf Befehl des römischen Präfekten Pontius Pilatus wurde er 30 (oder 33) n. Chr. gekreuzigt.


 

Kreislauf

Alles ist nur Weg zu dir:
Winterfrühen voll Vertrauen,
Zärtliches an Plänen bauen,
Staunendes gefangen stehn
Vor dem Blaß der Orchideen.

Schau nach weißen Wolkenballen,
Die erhellt in Blicke fallen,
Losgelöstheit schlanker Hand,
Reinern Ländern zugewandt.

O Erfülltheit, strenges Wirken
Klar in herrschenden Bezirken,
Himmel tief und weit in mir -
Alles ist nur Weg zu dir…

Quelle: "Gebete um Wirklichkeit. Gedichte." von Elisabeth Janstein (1893 - 1944), einer österreichischen Dichterin und Journalistin.


Wer, du mein Freund, weist uns den Weg ins Gehege.
Ob wir in Ewigkeit wandern, wir finden ihn nie.
Und doch wartet Gott auf einen, der an sein Knie
kindlich gelehnt das Haupt in den Schoß ihm lege…

Ite Liebenthal (1886 - 1941) war eine deutsche Lyrikerin.