GedichtGedichte

Eine Sammlung schöner & bekannter Kinderreime - sowohl lustige als auch kurze Reime, zum Vorlesen oder Aufsagen.

Ein Kinderreim ist ein mündlich überlieferter kurzer Vers (Kindergedicht), der kleinen Kindern, speziell im Kindergarten oder von den Eltern beigebracht oder vorgelesen wird.

Der Vers wird oft melodisch oder rhythmisch gesprochen oder gesungen, daher sind Kinderreim und Kinderlied kaum zu unterscheiden.
Der Reim kann volkstümlich, sentimental oder satirisch sein und besteht aus Strophen, die oft durch einen Refrain voneinander getrennt sind.


Backe, backe, Kuchen,
Der Bäcker hat gerufen!
Wer will guten Kuchen backen,
Der muss haben sieben Sachen:

Eier und Schmalz,
Butter und Salz,
Milch und Mehl,
Safran macht den Kuchen gehl!
Schieb, schieb in'n Ofen 'nein.


Heile, heile Gänschen,
wer wackelt mit dem Schwänzchen,
heile, heile Mäusespeck,
der Schmerz fliegt weg.

Heile, heile Segen
sieben Tage Regen,
sieben Tage Sonnenschein,
wird alles wieder heile sein.

Heile, heile Segen,
sieben Tage Regen,
sieben Tage Schnee,
tut dem Kind schon nicht mehr weh.


Rote Kirschen ess' ich gern,
schwarze noch viel lieber.
In die Schule geh ich gern
alle Tage wieder. [Volksgut]

Reim

Ein Reim ist eine Wiederholung ähnlicher Laute (in der Regel genau dieselben Phoneme) in den betonten Endsilben und allen folgenden Silben von zwei oder mehr Wörtern. Meistens wird diese Art von perfektem Reim bewusst für einen musikalischen oder ästhetischen Effekt in der Endposition von Zeilen in Gedichten oder Liedern verwendet.
Im weiteren Sinne kann sich ein Reim auch auf andere Arten von ähnlichen Lauten am Ende von zwei oder mehr Wörtern beziehen. Darüber hinaus wird das Wort Reim manchmal auch als Bezeichnung für ein kurzes Gedicht verwendet, z. B. einen Kinderreim.

Das Wort leitet sich vom altfranzösischen rime oder ryme ab, das möglicherweise vom altfränkischen rīm stammt, einem germanischen Begriff mit der Bedeutung "Reihe, Folge", der auch im Altenglischen (Bedeutung: "Aufzählung, Reihe, Zahl") und im Althochdeutschen rīm belegt ist und letztlich mit dem altirischen rím, griechisch "arithmos" (Zahl), verwandt ist. Alternativ können die altfranzösischen Wörter auch von lateinisch "rhythmus", von griechisch "rhythmos" abgeleitet sein.

Der Reim wird teilweise einfach als ein sich wiederholendes Muster empfunden, das angenehm zu hören ist. Er dient auch als leistungsfähige Gedächtnisstütze, die das Auswendiglernen erleichtert (insbesondere in der Entwicklung der Menschheit bevor die Schriftsprache entwickelt wurde).
Die regelmäßige Verwendung von Endreimen hilft, die Enden von Zeilen zu markieren, wodurch die metrische Struktur für den Zuhörer klarer wird. Wie auch bei anderen poetischen Techniken nutzen Dichter sie für ihre eigenen Zwecke; William Shakespeare beispielsweise verwendete oft ein Reimpaar, um das Ende einer Szene in einem Theaterstück zu markieren.


Ri Ra Rutsch,
Wir fahren mit der Kutsch.
Wir fahren mit der Schneckenpost,
Die uns keinen Kreuzer kost
Ri Ra Rutsch,
Wir fahren mit der Kutsch.


Mach es wie die Sonnenuhr:
zähl die heitren Stunden nur! [Sprichwort]


Hoppe, hoppe, Reiter,
wenn er fällt
dann schreit er.
Fällt er in den Graben,
fressen ihn die Raben.
Fällt er in die Hecken,
fressen ihn die Schnecken.
Fällt er in den Sumpf,
macht der Reiter: plumps!


Piep, Piep, Mäuschen,
bleib in Deinem Häuschen.
Frisst du mir mein Butterbrot,
kommt die Katz´ und beißt dich tot.
Piep, Piep, Piep, recht guten Appetit.

Piep, Piep, Piep,
wir haben uns alle lieb,
ein jeder esse was er kann,
nur nicht seinen Nebenmann;
und nimmt man’s ganz genau,
auch nicht seine Nebenfrau;
und auch nicht das Geschirr,
sonst macht’s im Magen Klirr.


Von den blauen Bergen kommen wir
Unser Lehrer ist genauso blöd wie wir
Mit der Brille auf der Nase
Sieht er aus wie’n Osterhase
Von den blauen Bergen kommen wir

Die ursprünglichste Version entstand im Jahr 1949 durch eine Zusammenarbeit von Heinz Woezel mit dem Musikerduo Goldy und Peter de Vries und dem Horst-Wende-Trio.
Die Melodie basiert auf dem englischen Volkslied "She’ll Be Coming ’Round the Mountain", dessen Ursprünge in einem afroamerikanischen Spiritual (christliche Liedgattung die als Wurzel des Gospels gilt) aus dem späten 19. Jahrhundert liegen. Der Text handelt von der Reise und ersehnten Ankunft einer nicht weiter beschriebenen Frau.


Das ist der Daumen,
der schüttelt die Pflaumen (= Zeigefinger),
der sammelt sie alle auf (= Mittelfinger),
der trägt sie nach Haus’ (= Ringfinger),
und der kleine, der isst sie alle auf (= kleiner Finger).


Lauretia, liebe Laurentia, mein
Wann werden wir wieder beisammen sein?
Am Sonntag!
Ach wenn es doch endlich schon Sonntag wär‘
Und ich bei meiner Laurentia wär‘, Laurentia!

Laurentia, eine weibliche Form des Vornamens Lorenz. Das Kinderlied wird im traditionellen Walzer-Takt gesungen und stammt aus dem niederrheinischen Kulturkreis. Erstmalig wurde es in "Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen" veröffentlicht (1843).


Bienchen, Bienchen,
summ – summ summ,
um die Blumen summ herum!
Tauch hinein dein Köpfchen,
hol die Nektartröpfchen,
flieg zurück zum Bienenhaus,
mach uns süßen Honig draus.

Siehe auch das Reimgedicht Summ, summ, summ! Bienchen summ herum! von Hoffmann von Fallersleben.


Steigt ein Büblein auf den Baum,
ei so hoch, man sieht es kaum,
hüpft von Ast zu Ästchen,
schlüpft ins Vogelnestchen.

Ui, da krach es! Hei, da lacht es!
Plumps, da liegt es unten!
Die Mama hat's gefunden und verbunden.
(Alternativ: Und keiner hat's gefunden.)


Lesen

Lesen ist der Prozess der Aufnahme des Sinns oder der Bedeutung von Buchstaben, Symbolen usw., insbesondere durch Sehen oder Tasten.

Für Pädagogen und Forscher ist Lesen ein vielschichtiger Prozess, der Bereiche wie Worterkennung, Orthografie (Rechtschreibung), Alphabetik, Phonetik, phonemisches Bewusstsein, Wortschatz, Verständnis, Lesefluss und Motivation umfasst.

Andere Arten des Lesens und Schreibens, wie Piktogramme (z. B. ein Gefahrensymbol und ein Emoji), basieren nicht auf sprachbasierten Schriftsystemen. Das gemeinsame Bindeglied ist die Interpretation von Symbolen, um die Bedeutung aus den visuellen Notationen oder taktilen Signalen (wie im Fall der Blindenschrift) zu extrahieren.

„Ein Kind allein mit seinem Buch erschafft sich irgendwo in den geheimen Kammern der Seele Bilder, die alles andere übertreffen. Solche Bilder sind für den Menschen notwendig. An dem Tag, da die Phantasie des Kindes sie nicht mehr zu erschaffen vermag, wird die Menschheit arm.
Alles Große, das in der Welt vollbracht wurde, spielte sich zuerst in der Phantasie eines Menschen ab, und wie die Welt von morgen aussehen wird, hängt zum großen Teil vom Maß der Einbildungskraft jener ab, die heute lesen lernen. Deshalb brauchen die Kinder Bücher.“ [Astrid Lindgren]


Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann
In unserm Haus herum, dideldum,
Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann
In unserm Haus herum.

Er rüttelt sich, er schüttelt sich,
Er wirft sein Säckchen hinter sich.

Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann
In unserm Haus herum.

Weitere kurze Strophen, jeweils in die obigen Verse 5 und 6 einzusetzen:

Er wirft sein Säcklein her und hin,
Was ist wohl in dem Säcklein drin?

Er bringt zur Nacht dem guten Kind
Die Äpfel, die im Säcklein sind.

Er wirft sein Säcklein hin und her,
Am Morgen ist es wieder leer.


Ein Huhn, das fraß,
man glaubt es kaum,
die Blätter von ´nem Gummibaum,
dann ging es in den Hühnerstall
und legte einen Gummiball!

Ursprung

Kinderlieder sind in allen Zivilisationen zu finden und können pädagogisch oder spielerisch sein (Kinderreim), Tanz oder Unterhaltung begleiten (Reigen), eine Geschichte erzählen (Ballade) oder als Einschlafhilfe dienen (Wiegenlied).

Dieser Ansatz äußert sich vor allem in verbaler Kreativität in Form von Wortspielen und Reimen, die an ungewöhnliche oder burleske Situationen erinnern. Während die Texte von Kinderliedern in der Regel eine völlig harmlose Bedeutung haben, sollen viele Texte aus der europäischen Tradition Anspielungen auf historische Ereignisse enthalten oder auf soziale oder politische Satire zurückgehen. Andere wiederum enthalten einen verborgenen, libertären oder gar grausamen Inhalt oder Sinn, der nicht immer zu entschlüsseln ist, oder erfordern Fantasie und eine gewisse Geisteshaltung.

Lummerlandlied

Eine Insel mit zwei Bergen
und dem tiefen, weiten Meer.
Mit vier Tunnels und Geleisen
und dem Eisenbahnverkehr.

Nun, wie mag die Insel heißen?
Ringsherum ist schöner Strand.
Jeder sollte einmal reisen,
In das schöne Lummerland

Augsburger Puppenkiste: das Lied wurde als Teil des Soundtracks zu der Erstverfilmung (1961/1962) des Buches "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" komponiert.


Sie sind oftmals alte magische Formeln aus einer Zeit, in der Zahlen wegen ihrer mystischen Bedeutung gefürchtet wurden (wie heute der Aberglaube an die Zahl 13). Anstatt die Zahlen auszusprechen, wurde lieber eine Litanei rezitiert, mit der man geliebte Menschen oder die Tiere einer Herde zählen und gleichzeitig das Unglück abwenden konnte.
Diese Lieder bestehen meist aus einer rhythmischen Silbenfolge mit oder ohne semantische Bedeutung und dienen dazu, verschiedene Momente des Tages und der Aktivitäten von Kleinkindern zu begleiten.

Es ist noch Gegenstand der Forschung, ob vertonte Kinderreime die Entwicklung des Kindes fördern. Im deutschen Kniereitvers (Hoppe hoppe Reiter) wird das Kind in eine spielerische Gefahr gebracht, aber die Erfahrung ist eine "möglicherweise" angenehme der Fürsorge und Unterstützung, die das Kind mit der Zeit selbst beherrscht. Die Forschung unterstützt auch die Behauptung, dass Musik und Reime die Fähigkeit des Kindes zum räumlichen Denken steigern, was die mathematischen Fähigkeiten fördert.


Du musst verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehn,
Und Drei mach gleich,
So bist du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs -
So sagt die Hex -
Mach Sieben und Acht,
So ists vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Johann Wolfgang von Goethe


Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr,
kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Der Autor ist unbekannt, im Netz wird es häufig Rilke zugeordnet, nur gibt es keine Belegquelle dafür.

Morgens früh um sechs
kommt die kleine Hex‘.

Morgens früh um sieben
kocht sie gelbe Rüben.

Morgens früh um acht
wird Kaffee gemacht.

Morgens früh um neun
geht sie in die Scheun‘.

Morgens früh um zehn
holt sie Holz und Spän‘,

feuert an um elf,
kocht dann bis um zwölf:

Fröschebein‘ und Krebs und Fisch.
Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!


Der Wind der Wind,
das himmlische Kind.
Er bläst mir geschwind
und kräftig das Haar.

Weitere lustige Strophen, jeweils in die obigen Verse 3 und 4 einzusetzen:

Er lässt Rauschen die Blätter
am Baum und am Strauch.

Lässt erklingen am Balkon
das Windspiel geschwind.

Fegt über die Stadt
und das Land.


Widdewiddewitt
und Drei macht Neune!!
Ich mach' mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt …

Pippi Langstrumpf


Lebe glücklich, lebe froh,
wie der König Salomo,
der auf seinem Stuhle saß
und ein Stückchen Käse aß.
Lebe glücklich, werde alt,
bis die Welt in Stücke knallt.
[Unbekannt]


 


Schlaflieder

Ein Schlaflied (auch Wiegenlied; Schlaf- oder Gutenachtlied) ist ein Kindergedicht, das gesungen wird, um ein Kind in den Schlaf zu wiegen (als eine Variante des Abendliedes). Der Inhalt des Liedtextes ist sehr einfach und bezieht sich in der Regel darauf, dem Kind beim Einschlafen zu helfen. Die Musik ist ruhig und wiegend (3/4- oder 6/8-Takt). Es wird gewöhnlich von einem Elternteil oder einer Betreuungsperson gesungen.

Berühmt ist das Wiegenlied "Guten Abend, gut' Nacht" von Johannes Brahms, das weltweit aus Spieluhren erklingt, die über Kinderbetten hängen.


Schlaf' ein, mein Lieb, in Frieden,
Schlaf' ein, süß' Liebchen mein!
Am Himmel glüh'n die Sterne
In weiter, blauer Ferne
Und hauchen allen Müden
Die Ruh' in's Herz hinein.

Schlaf' ein, mein Lieb, in Frieden,
Schlaf' ein, süß Liebchen mein!
Und träum' von meinen Schmerzen,
Von meinem treuen Herzen;
Und träum', wie wir zufrieden
Und glücklich werden sein.

Schlaf' ein, mein Lieb, in Frieden,
Mein Herzenslieb, schlaf' ein!
Laß nichts dich bange machen!
Die Engel werden wachen;
Und Lieb' hat ja hienieden
Viel tausend Engelein!

Johann Meyer


Des Lilienmädchens Wiegenlied

Schlafe, Kindlein hold und weiß,
Das noch nichts von Sorgen weiß,
Schlaf in stiller, süßer Ruh,
Tu die kleinen Äuglein zu.

Draußen stehn die Lilien weiß,
Haben allerschönsten Preis,
Droben in der lichten Höh'
Stehn die Englein weiß wie Schnee.

Kommt, ihr Englein weiß und fein,
Wiegt mir schön mein Kindelein,
Wiegt sein Herzchen fromm und gut,
Wie der Wind der Lilie tut.

Schlafe, Kindlein, schlafe nun!
Sollst in Gottes Frieden ruhn;
Denn die frommen Engelein
Wollen deine Wächter sein.

Ernst Moritz Arndt