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Das Gedicht „Der rechte Weg“ stammt aus der Feder von Franz Werfel.

Ich bin in eine große Stadt gekommen.
Vom Riesenbahnhof trat den Weg ich an,
Besah Museen und Plätze, habe dann
Behaglich eine Rundfahrt unternommen.

Den Straßenstrom bin ich herab geschwommen
Und badete im Tag, der reizend rann.
Da! Schon so spät!? Ich fahre aus dem Bann.
Herrgott, mein Zug! Die Stadt ist grell erglommen.

Verwandelt alles! Tausend Auto jagen,
Und keines hält. Zweideutige Auskunft nur
Im Ohr durchkeuch´ ich das Verkehrs-Gewirre.

Der Bahnhof?! Wo?! Gespenstisch stummt mein Fragen.
Die Straßen blitzen endlos, Schnur um Schnur,
Und alle führen, alle, in die Irre.

Siehe auch das Gedicht Der Weg von Max Hayek.

Analyse

Das Sonett "Der rechte Weg" (1799) besteht das 4 Strophen mit insgesamt 14 Versen. Das Metrum ist ein fünfhebiger Jambus. Das Reimschema folgt dem des klassischen Sonetts: bei den ersten beiden Strophen ein umarmender Reim („abba“) und bei den letzten beiden Strophen ein strophenübergreifender Kreuzreim („cde“).

Inhalt / Zusammenfassung

Das lyrische Ich verkörpert einen empfindsamen Menschen, der offensichtlich vom Chaos der Großstadt überwältigt ist. In der ersten Strophe erlebt der Leser die Aktivitäten des lyrischen Ichs. Neben Straßen und Sehenswürdigkeiten wird beispielsweise auch eine Stadtrundfahrt erwähnt.
Ab Vers 7 ändert sich der Satzbau. Von zuvor verschachtelten und langen Sätzen geht es über zu kurzen Sätzen, oft Ausrufen, die den Übergang von Ruhe zu Panik veranschaulichen.

Hintergrund

Franz Werfel (1890 - 1945) emigrierte 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs und wurde 1941 US-amerikanischer Staatsbürger. Er entstammt der deutsch-jüdischen Bourgeoisie in Prag. Durch seine Haushälterin und den Besuch einer Privatschule ist seine Kindheit vom katholischen Glauben geprägt. Er war ein Wortführer des lyrischen Expressionismus.

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