Das Gedicht „(Die) Stadt“ stammt aus der Feder von Jakob van Hoddis.
Die Stadt
Ich sah den Mond und des Ägäischen
Grausamen Meeres tausendfachen Pomp.
All meine Pfade rangen mit der Nacht.
Doch sieben Fackeln waren mein Geleit
Durch Wolken glühend, jedem Sieg bereit.
"Darf ich dem Nichts erliegen, darf mich quälen
Der Städte weiten Städte böser Wind?
Da ich zerbrach den öden Tag des Lebens!"
Verschollene Fahrten! Eure Siege sind
Zu lange schon verflackt. Ah! helle Flöten
Und Geigen tönen meinen Gram vergebens.
Stadt
Wie schön ist diese stolze Stadt der Gierde!
Ihr Elend und geschmähter Überfluss
Und schwerer Straßen sehr verzerrte Zierde.
Schamloser Tag entdeckt dir die Konturen.
Die Häuser stehn befleckt mit Staub und Ruß,
Es flirrt um Eilende und Wagenhaufen
Furchtsame Weiber, Männer, blasse Huren …
Ich starre lange in die schnelle Pracht
Ein Dumpfes ahnend drunten im Gedränge -
Ich weiß, wie sie des blöden Tages Strenge
Gewaltig preisen: dass er herrschen macht.
(Es zieht sie nur zur wohlumbauten Enge.)
Komm! Lass uns warten auf die kranke Nacht
Der schweren dröhnenden Gedankenpränge.
Weitere schöne Gedichte von Jakob van Hoddis:
Gedichte
Impressum
Datenschutz