GedichteGedichte

Eine Sammlung deutscher Gedichte von & über Frauen - moderne und auch Klassiker; sowohl lang als auch kurz. Lassen Sie diese Frauenlyrik und die Poesie (auch die eher wenig bekannte) auf sich & andere wirken.

Einige einzigartige Beispiele schöner Lyrik die von Frauen verfasst wurde.



Sappho (um 620 - um 570 v. Chr.) war eine antike griechische Lyrikerin. Sie gilt als bedeutendster weibliche Lyrikerin des klassischen Altertums. Sie lebte und wirkte auf der Insel Lesbos in der nördlichen Ägäis.
Zum Werk der Sappho gehörten Götterhymnen, Hochzeits- und Liebeslieder, die in der Antike in 9 Büchern gesammelt waren, heute jedoch alle verloren sind. Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod schätzte Platon ihre Lyrik so sehr, dass er Sappho als zehnte Muse bezeichnete. Besonders gerühmt wurde im Altertum ihre klare und ausdrucksstarke Sprache, durch die sie unter anderem zum Vorbild des römischen Dichters Horaz wurde.
Die vierzeilige sapphische Strophe ist nach ihr benannt und geht auf sie zurück.
Neben der Naturlyrik waren Liebe und Erotik zentrale Themen ihrer poetischen Werke. Viele Gedichte handeln von der Liebe zu Frauen.


 

Es gibt ein Weinen, das nicht Tränen hat,
Das ist das herbste, allerschwerste Weinen.
Dann ist das Herz so weh, so todesmatt
Und sieht die goldne Sonne nicht mehr scheinen.

Anna Enders-Dix (1874 - 1947) war eine deutsche Schriftstellerin (nicht verwandt mit dem Maler Otto Dix).


Suche nicht! Du wirst verlieren.
Treibe hin und lächle nur den Dingen.
Derer, die in deinem Haar sich fingen,
sind viel mehr, als je dein Singen
locken konnte. Ungesucht wirst du die
Welt in deinem Schoße spüren.

Hertha Kräftner (1928 - 1951) war eine österreichische Schriftstellerin.


Auch das leiseste Wort
streift von des heilgen Erleben
schüchternem Flügelbeben
etwas Schimmerstaub fort.

Dass es bei keinem Schlage
von seinem Reichtum verlier,
dulde, dass schweigend zu dir
mein Herz seine Liebe trage!

Leonie Adele Spitzer (1891-1940) war eine österreichisch-jüdische Schriftstellerin und Lehrerin. Sie schloss ihr Philosophie-Studium mit einer Dissertation (Dr. phil.) "Über Rilkes Verskunst" 1920 ab.


Jetzt erst wird Alles stille,
Die Nacht zieht groß einher,
Mit ihres Friedens Fülle; –
Schlaf, Herz, was willst du mehr.

Ida Gräfin von Hahn (1805 - 1880) war eine deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie galt als eine der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit. Allerdings wurde ihre manierierte und mit Fremdwörtern gespickte Erzählweise sowie ihre elitäre aristokratische Haltung auch kritisiert.

Regen

Der Regen peitscht ruhlos Nacht für Nacht,
ich bin von dem müden Klopfen erwacht,
steht eine Seele draußen im Wind,
flüstert: Sei ruhig, du armes Kind -,
der Lenz stillt Tränen und Träumen!

Hermine von Preuschen (1854 - 1918) war eine deutsche Malerin und Schriftstellerin. Sie arbeitete viele Jahre in Italien, reiste aber auch lange und ausgiebig umher.

Ein Schluss

Mir kann der Saft der Reben
Stets neu Vergnügen geben.
Ich lache, scherz und singe,
Ich jauchze, hüpf und springe,
Es fliehen alle Schmerzen
Aus meinem frohen Herzen.
Bei Damis stillen Küssen,
Kann ich leicht alles missen,
Was andern Wollust dünket:
Drum Schwestern, liebt und trinket!

Johanna Charlotte Unzer (1725 - 1782), auch unter Johanne Charlotte Unzer-Ziegler oder schlicht unter Zieglerin bekannt, war eine deutsche Dichterin und Philosophin. Zu ihren Lebzeiten hatte sie eine große Leserschaft, später geriet sie jedoch weitgehend in Vergessenheit.

Beglaubigung der Jungfer Poeterei

Rhapsodius glaubt nicht das Jungfern Verse machen:
Wie sollte man nun nicht der falschen Meinung lachen?
Wie / wenn man sagte / das hochzeitliche Gedicht /
Das Rhapsodus gemacht / ist seine Arbeit nicht.

Ist dieses möglich / so kann jenes auch geschehen.
Hat denn Herr Rhapsodus dergleichen nie gesehen?
Ihr Musen Söhne denkt / ihr seid es gar allein /
Bei denen Phoebus zeucht mit seinen Künsten ein.

O nein / ihr irret euch: Die Pallas pflegt dergleichen
Kunst / Weisheit und Verstand ums Nymphen darzureichen.
Sind wir gleich nicht an Kunst und Gaben gar zu reich /
Noch euch / ihr Phoebus Volk in allen Stücken gleich.

(Denn dieses ist gewiss / das lässt man wohl passieren /
Das euch die freie Kunst vortrefflich kann bezieren /
Dazu euch euer Fürst Apollo Anlass gibt /
Wenn ihr von Jugend auf Parnassus‘ Hügel liebt.)

So werdet ihr doch dies nicht gänzlich leugnen können /
Das Gott und die Natur uns ebenmäßig gönnen
Was euch gegen ist / und das uns oftmals nicht
Das Dichten / sondern nur die Zeit dazu gebricht.

Es fehlt uns nicht an Witz / und andern guten Gaben /
Nur das man nicht dazu Gelegenheit kann haben.
Wenn man uns so wie euch / die Künste gösse ein /
So wollten wir euch auch hierinnen gleicher sein.

Susanna Elisabeth Zeidler (um 1668)

Anmerkung: Das Wort "Rhapsodius" leitet sich vom altgriechischen Wandersänger (Rhapsode) her, der Epen vortrug.
Der Begriff Parnass bezeichnet in seiner ursprungs- und hauptsächlichen Bedeutung ein echtes Gebirge in Griechenland, gilt aber auch als Sinnbild für die Dichtkunst und als Name bekannter Werke.

Literatur

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Anna Bers veröffentlichte im Jahr 2020 die Anthologie "Frauen │ Lyrik. Gedichte in deutsche Sprache" - über 500 Gedichte von etwa 450 Autorinnen & Autoren (Reclam Verlag, knapp 900 Seiten).

Bereits 1978 (2007 in fünfter Auflage erweitert) erschien von Gisela Brinker-Gabler (1944 - 2019) der Band Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Gedichte und Lebensläufe. (Wikipedia) in dem knapp 200 Werke von etwa 60 Lyrikerinnen samt ihren Biographien abgedruckt sind.

Dichterinnen (alphabetisch (Nachname)) A bis Z

Diese Liste enthält die einzelnen Seiten der eher berühmten weiblichen Dichterinnen lyrischer Verse.


 

Der Baum blüht trotzdem.
Immer haben die Bäume
auch zur Hinrichtung geblüht.

Kirschblüten und Schmetterlinge
treibt der Wind auch dem Verurteilten ins Bett.
Sie gehen weiter. Blütenhalter
ohne den Kopf zu wenden.
die hellen Reihen.

Mancher sagt ein Wort zu dir
oder du glaubst, daß er spricht.
im Vorbeigehen.
Weil es so still ist.

Hilde Domin, geborene Löwenstein (1909 - 2006 ), war eine deutsche Schriftstellerin jüdischer Herkunft.

Noch bist du da

Noch bist du da
Wirf deine Angst
in die Luft

Bald
ist deine Zeit um
bald
wächst der Himmel
unter dem Gras
fallen deine Träume
ins Nirgends

Noch
duftet die Nelke
singt die Drossel
noch darfst du lieben
Worte verschenken
noch bist du da

Sei was du bist
Gib was du hast

Rose Ausländer, geborene Scherzer (1901 - 1988), war eine aus der Bukowina stammende deutsch- und englischsprachige Lyrikerin jüdischer Herkunft.

Das Bißchen Ruhm

Was ähnelt wohl dem bißchen Ruhme
So sehr wie eine Treibhausblume?
Soll dir das arme Pflänzchen sprießen,
Mußt du es täglich brav begießen.
Und Dünger streun. Und Unkraut jäten.
Aufs Wetter sehn. Und leise treten.
Doch pfeifst du drauf, so wirst du nie
Gekrönt von der A-ka-de-mie.

Mascha Kaléko, gebürtig Golda Malka Aufen (1907 - 1975), war eine deutschsprachige Dichterin jüdischer Herkunft.

Teile dich Nacht

Teile dich Nacht
deine beiden Flügel angestrahlt
zittern vor Entsetzen
denn ich will gehn
und bringe dir
den blutigen Abend zurück.

Nelly Sachs (1891 - 1970) war eine deutsch-schwedische jüdische Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie erhielt 1966 – gemeinsam mit Samuel Joseph Agnon – den Nobelpreis für Literatur.

Die gestundete Zeit

Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.

Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,
er steigt um ihr wehendes Haar,
er fällt ihr ins Wort,
er befiehlt ihr zu schweigen,
er findet sie sterblich
und willig dem Abschied
nach jeder Umarmung.

Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!

Es kommen härtere Tage.

Ingeborg Bachmann (1926 - 1973) war eine österreichische Schriftstellerin.

Durch und durch

Wir sind alle
nur für kurz hier eingefädelt,
aber das Öhr
hält man uns seither fern,
uns Kamelen.

Ilse Aichinger (1921 – 2016) war eine österreichisch-jüdische Schriftstellerin.

Vision

Man hat mir heute Nacht mein Herz vertauscht.
Es war so matt und hat sich nicht gewehrt.
Es war vom Abend her noch wie berauscht
und müd und ohne Schutz und stark versehrt
und konnte wie ein krankes Kind getragen werden …

Man hat es mir genommen, und mit Pferden,
die schwarz und hastig waren und vermummt -
ich hörte lange noch die Hufe schlagen -
hat man es fortgebracht; und rasch verstummt
war auch sein letztes banges Nach-Mir-Fragen …

Was man mir ließ und was ich höre schlagen
und was mich zittern läßt, ist nicht mein Herz.
Nur so ein Etwas, ein von Lust und Schmerz
Vermischtes, das nicht auszusagen …

Christine Lavant (1915 - 1973) war eine österreichische Schriftstellerin. Für ihr poetisches Werk wurde sie in ihrem Heimatland mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Seit 2016 wird der "Christine Lavant Preis" für Lyrik und Prosa verliehen. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und somit einer der bestdotierten Literaturpreise Österreichs.

 

Gedichte über Frauen

Diese Liste enthält recht bekannte Gedichte über Frauen.

afro-deutsch I

Sie sind afro-deutsch?
... ah, ich verstehe: afrikanisch und deutsch. Ist ja 'ne interessante Mischung!
Wissen Sie, manche, die denken ja immer noch, die Mulatten, die würden's
nicht so weit bringen wie die Weißen.

Ich glaube das nicht. Ich meine, bei entsprechender Erziehung ...
Sie haben ja echt Glück, daß Sie hier aufgewachsen sind. Bei deutschen
Eltern sogar. Schau an!

Wollen Sie denn mal zurück?
Wie, Sie waren noch nie in der Heimat vom Papa? Ist ja traurig ... Also, wenn
Se mich fragen: So 'ne Herkunft, das prägt eben doch ganz schön. Ich z.B.,
ich bin aus Westfalen, und ich finde, da gehör' ich auch hin ...

Ach Menschenskind! Dat ganze Elend in der Welt! Sei 'n Se froh, daß Se nich
im Busch geblieben sind. Da wär'n Se heute nich so weit!

Ich meine, Sie sind ja wirklich ein intelligentes Mädchen. Wenn Se fleißig sind
mit Studieren, können Se ja Ihren Leuten in Afrika helfen: Dafür sind Sie doch
prädestiniert, auf Sie hör'n die doch bestimmt, während unsereins ist ja so 'n
Kulturgefälle ...

Wie meinen Sie das? Hier was machen. Was woll'n Se denn hier schon
machen? Ok., ok., es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Aber ich finde, jeder
sollte erstmal vor seiner eigenen Tür fegen!

May Ayim (auch May Opitz, bürgerlicher Name: Sylvia Brigitte Gertrud Opitz geb. Andler, * 3. Mai 1960 in Hamburg; † 9. August 1996 in Berlin) war eine deutsche Dichterin, Pädagogin und Aktivistin der afrodeutschen Bewegung.


 

Bekannte Christliche Gedichte von Dichterinnen

Neu

Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts

August von Schindel war ein deutscher Gutsherr, Verwaltungsbeamter, Bibliograf, Schriftsteller und Mäzen, der zwischen 1823 und 1825 das Lexikon "Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts" veröffentlichte (erschienen bei F. A. Brockhaus in drei Bänden).
Diese umfassende Sammlung biografischer Skizzen von deutschen Schriftstellerinnen & Dichterinnen wurde heftig kritisiert, u.a. durch den berühmten Sprach- und Literaturwissenschaftler Jacob Grimm (1785–1863). Dieser schrieb in dem damals vielgelesenen Journal "Göttingische gelehrte Anzeigen" eine bissige Rezension, die hier im folgenden wiedergegeben wird.


Die Schreibart des Herausgebers ist nicht ganz untadelhaft, häufig kommt der Ausdruck: ein pseudonymer Namen vor. Eine mögliche Menge von Zusätzen, Berichtigungen, Deutungen mögen andere Blätter liefern, die sich nicht scheuen, hier mitunter in Wespennester zu stoßen; den Eindruck, welchen das Ganze auf ihn gemacht hat, will Rez. nicht verhehlen. Hätte Hr. von Schindel, statt nach Meuselscher Allgemeinheit zu trachten, von den beiden Künsten, denen sich weibliche Schriftstellerei hingibt, die eine ausgeschlossen, also die Kochbücher (deren Autorschaft doch schon von anderen Literatoren registriert wird) übergangen, so würde zuvörderst der Titel die nötige Bestimmtheit: Deutsche Dichterinnen erlangt haben. Theologie, Jurisprudenz, Medizin und die andern Wissenschaften befahren nichts von unseren Schriftstellerinnen weder des neunzehnten Jahrhunderts noch der früheren, (Caroline Herschel gehörte, samt einigen andern, nicht in die Reihe); Gedichte, Romane, einige Reisebeschreibungen haben sie geliefert.

Ist in jenen Wissenschaften etwas unweibliches gelegen, überschreitet eine Frau als Gesetzgeber, als Richter, als Priester die allen Völkern heilige Schranke der Natur, warum schiene die Poesie etwas Anderes, als ein Amt und Geschäft der Männer? Die ganze Geschichte lehrt es uns so. Durch öffentliches Vortreten und Lautwerden versehrt das Weib seine angeborne Sitte und Würde. Wahre Dichtkunst läßt sich nicht abfinden, sie fordert nicht das Geringe, vielmehr das Hohe und Reine, sie fordert, daß der Dichter frei aus ungehemmter Brust singe. Wie kann eine Frau das Ereignis einer Liebe, eines Kusses vor aller Welt erzählen? Frauen ist die Gabe eigen, mit unglaublicher Gewandtheit die Verhältnisse eines Hauses, einer Gesellschaft zu erschauen, die Gabe, mit zartester Feder diese Beobachtungen innig vertrauten Personen mitzuteilen; fast jede Literatur besitzt einige solcher Sammlungen voll unnachahmlicher Natürlichkeit, die nach dem Tode ihrer Verfasserinnen zuweilen bekannt gemacht worden sind. Alles glückliche, was Frauen schreiben, sollte wie Briefe behandelt und nur unter denselben Bedingungen, mit denselben Vorsichten öffentlich werden; selbst gedruckte Briefe der Männer würden ihres Reizes entbehren, wären sie mit dem Gedanken an jemalige Herausgabe aufgesetzt worden.

Wir haben nicht überschlagen überschlagen, wie viel Deutsche Schriftstellerinnen das vorige Jahrhundert hervorgebracht hat, von 1700 bis 1770 mögen ihrer zehnmal weniger sein, als von da bis 1800, in diesen dreißig Jahren wieder kaum die Hälfte soviel, als von 1800 bis 1820 auftraten; eine niederschlagende Progression. So hat die Sucht zu reimen, zu deklamieren eine die andere genährt. Hrn. von Schindels Sammlung wird ungefähr dreihundert Dichterinnen aufstellen (Emilie Gleim darunter ist, seiner Nachweisung zufolge, ein Mann). Wenn sich nun in dem Haufen von Büchern und Gedichten, aus diesen weiblichen Händen hervorgegangen, kein einziges wirklich originales, kein mit dem Genius lebendiger Poesie gestempeltes vorfindet, wenn, gesetzt daß alle ungedruckt geblieben wären, unsere Literatur das nämliche Ansehen, welches sie hat, haben, der Gang unserer Dichtkunst um kein Haarbreit verrückt worden sein würde, was soll man daraus schließen? Dem Geiste einer Frau von Stael, die in der Französischen Literatur mit Macht einschreitet, ist keine Deutsche Autorin bei weitem gewachsen. Das sei unserm Volke nicht Tadel, sondern Ruhm. Unsere Schriftsteller haben sich nicht so viel sagen zu lassen, als Frau von Stael den Franzosen vorhält.

Poesie des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, welche von unseren heutigen Gelehrten so verdienstlich angebaut wird, - zeigt sie uns doch auch, zwar Französische, provenzalische Damen, Nachahmerinnen der Troubadours, nur keine einzige Deutsche Frau, die sich in die Reihe der Deutschen Sänger jener Zeit gewagt hätte. Einem Volke vor andern ist das Gefühl fräulicher Sitte zu Teil geworden; müssen wir annehmen, es habe sich unter uns geschwächt? Die Formen wechseln, der Grund, auf dem sie ruhen, dauert fort. Die Form hat gewechselt, aber noch heute, wie vor fünfzig Jahren, ergreift uns die Wahrheit der Aufsätze des trefflichen Mösers, überschrieben: die gute selige Frau und die allerliebste Braut, welche im ersten Bande seiner Patriotischen Phantasien zu lesen stehen.

Rez. hat sich erschreckt vor der bedeutenden Zahl unglücklicher, gestörter und geschiedener Ehen, welche die vorliegenden Lebensgeschichten deutscher Dichterinnen ergeben: hier spielt kein Zufall; die Frau, welche einmal aus dem Kreise natürlicher Bestimmung weicht, gerät mit sich selbst in Zwiespalt, sie kann nicht mehr leisten und ertragen, was ihr gebührt. Ein Zeichen tüchtiger Dichter ist unter andern, daß sich ihre Weiber von dem Mit- und Nachdichten neben ihnen frei halten.

Ob Herausgeber von Büchern, wie das gegenwärtige, nicht auch gewissenhaft erwägen sollten, daß sie die Dichterei anfachen, und indem sie den Schleier der Anonymität lüften, manches gute Mädchen, dessen Verse unvorsichtige Verwandten oder Freunde zum Druck befördert haben, zu neuen eitelen Versuchen reizen?

Überdies tragen sie Neues und Unnützes zu dem Schwall und Wust von literarischen, biographischen Angaben, welche seit Meusel und seinen, beleibten oder schmächtigen, Nachfolgern die Deutsche Literaturgeschichte so langweilig, fast ungenießbar machen. Vielleicht liegt die Zeit nicht mehr fern, wo ein gesunderer Sinn der Kritik und historischen Forschung endlich solchen Aufhäufungen steuert. Für dunkle, frühe Perioden ist die Jagd nach Namen, Jahrszahlen, Titeln und allen kleinlichen Umständen am rechten Ort und hat einen Sinn; sie dienen das Bild der Vergangenheit zu heften und zu fassen. Heutigestages, wo die Leichtigkeit, jedes beschriebene Blatt im Druck zu verbreiten, Heere mittelmäßiger und schlechter Bücher zeugt, die auf das Wesen unserer Literatur nicht den mindesten Einfluß haben, die je eher je besser vergessen werden dürfen, sollen wir bloß das Wahrhaft Große ins Auge nehmen. Die Nachwelt kann auch nichts anderes aus unserer Zeit gebrauchen. Und dieses Große sondert sich jetzt von dem Gemeinen gleichsam von selbst, die Literatur wird immer individueller, während in früheren Jahrhunderten Gutes und Schlechtes ungetrennter gewesen zu sein scheinen und auch darum ihre Betrachtung schärfer ins Einzelne gehen muß.