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Das Gedicht „Gretchen am Spinnrade“ stammt aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe.

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergällt.

Mein armer Kopf
Ist mir verrückt,
Meiner armer Sinn
Ist mir zerstückt.

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Haus.

Sein hoher Gang,
Sein edle Gestalt,
Seines Mundes Lächeln,
Seiner Augen Gewalt,

Und seiner Rede
Zauberfluß,
Sein Händedruck,
Und ach sein Kuß!

Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
Und nimmermehr.

Mein Busen drängt
Sich nach ihm hin.
Ach dürft ich fassen
Und halten ihn,

Und küssen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Küssen
Vergehen sollt!

Analyse

Das Gedicht "Gretchen am Spinnrade" (1808; Epoche der Romantik) besteht aus 10 Strophen mit je 4 Versen. Ein durchgängiges Reimschema lässt sich nicht ausmachen, es reimen sich meistens nur der zweite und vierte Vers. Ebenso fehlt ein durchgängiges Versmaß.

Inhalt / Zusammenfassung

Margarete (Gretchen) wurde von Faust verführt, doch er verlässt sie; sie ist allein, spinnt Wolle, sehnt sich nach seiner Rückkehr und vermisst seine Küsse: "Ach, sein Kuss!" Durch seine Musik verleiht Schubert dem Gedicht eine Dimension verletzlicher Zärtlichkeit; nun ist alles gesagt: Margarete unschuldige Vergangenheit, ihre gegenwärtige Begeisterung, ihre verzweifelte Zukunft.

Hintergrund

Das Gedicht stammt aus der 15. Szene aus Goethes Faust. Der Tragödie erster Teil (1808), es findet sich bereits im Urfaust (1775) in leicht veränderter Form. Die Szene „Gretchens Stube“ zeigt einen Monolog Gretchens nach ihrem Treffen mit Faust im Garten ihrer Nachbarin Marthe Schwerdtlein.

Schubert komponierte Gretchen am Spinnrade (Opus 2, D 118) am 19. Oktober 1814, drei Monate vor seinem achtzehnten Geburtstag – sein bis dahin erstes erfolgreiches Lied. Es vertont Gretchens innere Zerrissenheit und Sehnsucht nach Faust, dargestellt durch eine kreisende Klavierbegleitung, die das Spinnrad und ihre Unruhe symbolisiert. Das Kunstlied ist in Rondoform (ABACADA’) geschrieben.

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