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Das Gedicht „Hyazinthen“ stammt aus der Feder von Theodor Storm.

Fern hallt Musik; doch hier ist stille Nacht,
Mit Schlummerduft anhauchen mich die Pflanzen:
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

Es hört nicht auf, es rast ohn Unterlass;
Die Kerzen brennen und die Geigen schreien,
Es teilen und es schließen sich die Reihen,
Und alle glühen; aber du bist blass.

Und du musst tanzen; fremde Arme schmiegen
Sich an dein Herz; o leide nicht Gewalt!
Ich seh′ dein weißes Kleid vorüberfliegen
Und deine leichte, zärtliche Gestalt.--

Und süßer strömend quillt der Duft der Nacht
Und träumerischer aus dem Kelch der Pflanzen.
Ich habe immer, immer dein gedacht;
Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.

Anmerkung: Blausternchen (Scilla) und Hyazinthen (Hyacinthus) sind beides beliebte blaublühende Frühlingsboten, unterscheiden sich jedoch deutlich in Größe und Blütenform: Blausternchen sind filigran, sternförmig und niedrig, während echte Hyazinthen dichte, große und stark duftende Blütentrauben bilden.
Beide gehören zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae), unterscheiden sich aber botanisch. Echte Hyazinthen verströmen einen intensiven, süßlichen Duft; Blausternchen duften kaum bis gar nicht. Oft wird der "Sibirische Blaustern" (Scilla siberica) wegen der sternförmigen Blüten fälschlicherweise als "Sternhyazinthe" bezeichnet, was zur Verwirrung führt.

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