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Das Gedicht „Was ist die Welt?“ stammt aus der Feder von Hugo von Hofmannsthal.

Was ist die Welt? Ein ewiges Gedicht,
Daraus der Geist der Gottheit strahlt und glüht,
Daraus der Wein der Weisheit schäumt und sprüht,
Daraus der Laut der Liebe zu uns spricht

Und jedes Menschen wechselndes Gemüt,
Ein Strahl ist's, der aus dieser Sonne bricht,
Ein Vers, der sich an tausend and're flicht,
Der unbemerkt verhallt, verlischt, verblüht.

Und doch auch eine Welt für sich allein,
Voll süß-geheimer, nie vernomm'ner Töne,
Begabt mit eig'ner, unentweihter Schöne,

Und keines Andern Nachhall, Widerschein.
Und wenn Du gar zu lesen d'rin verstündest,
Ein Buch, das Du im Leben nicht ergründest.

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Hintergrund

Das deutsche Wort „Welt“ (vgl. englisch „world“) stammt vom germanischen *weraldiz, einer Zusammensetzung aus 'weraz' „Mann“ und 'aldiz' „Alter“, was wörtlich übersetzt in etwa „Alter des Menschen“ bedeutet.
Im Althochdeutschen ist 'weralt' oder 'worold' für das 8. Jahrhundert mit der Bedeutung „Zeitalter“ überliefert.

Im Zuge der Christianisierung wurde der Begriff mit den lateinischen Worten 'saeculum' (Zeitalter, Jahrhundert) und 'mundus' (Welt, Weltordnung, Schöpfung) gleichgesetzt, wodurch der Bedeutungsinhalt des „Zeitalters“ veraltete, und der Bedeutungsinhalt „irdische Welt“ übrigblieb.

Bis in das 19. Jahrhundert hielt sich eine Bedeutung von „Welt“ als Synonym für die menschliche Gesellschaft, und insbesondere deren gehobene Kreise, welche als „große Welt“, „feine Welt“ oder „Mann von Welt“ bezeichnet wurden.

Das lateinische 'mundus', wörtlich „sauber, elegant”, ist selbst eine Lehnübersetzung des griechischen 'cosmos' „ordentliche Anordnung”. Während das germanische Wort somit eine mythologische Vorstellung von einem „Reich des Menschen” (vergleiche Midgard) widerspiegelt, drückt der griechisch-lateinische Begriff eine Vorstellung von Schöpfung als einem Akt der Schaffung von Ordnung aus dem Chaos aus.

 

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