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Das Gedicht „Ich bin nicht tot…“ stammt aus der Feder von Michelangelo Buonarroti.

Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.
Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,
da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Ihr glaubt mich tot, doch dass die Welt ich tröste,
leb ich mit tausend Seelen dort, an diesem wunderbaren Ort,
im Herzen der Lieben. Nein, ich ging nicht fort,
Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.

Original

Qui vuol mie sorte c'anzi tempo i' dorma:
Nè son già morto: e ben c' albergo cangi,
resto in te vivo, c' or mi vedi e piangi;
se l'un nell' altro amante si trasforma.

Qui son morto creduto; e per conforto
del mondo vissi, e con mille alme in seno
di veri amanti: adunche, a venir meno,
per tormen' una sola non son morto.

Michelangelo Buonarroti, 1475-1564 - Rime 194

Siehe auch das Gedicht Steh' nicht an meinem Grab und weine… von Clare Harner.

Anmerkung: Gegen Ende seines Lebens wurde der berühmte Maler und Bildhauer Michelangelo (1475 - 1564) auch Dichter und gilt nach Petrarca und Dante als einer der bedeutendsten italienischen Lyriker. Er verfasste über 300 Gedichte, Sonette und Madrigale, die oft von humanistischen Themen inspiriert waren. Einige dieser Sonette wurden vertont, unter anderem von Benjamin Britten (Seven Sonnets of Michelangelo) und Dmitri Schostakowitsch. Diese zu seinen Lebzeiten unveröffentlichten Gedichte wurden 1623 von seinem Neffen, Michelangelo dem Jüngeren, herausgegeben.

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