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Das Gedicht „Steh' nicht an meinem Grab und weine…“ (Unsterblichkeit) stammt aus der Feder von Clare Harner (und nicht von Mary Elizabeth Frye).

     Steh' nicht
          an meinem Grab und weine.
     Ich bin nicht dort,
          ich schlafe nicht –
ich bin die tausend Winde, die wehen,
ich bin das Diamantenglänzen im Schnee,
ich bin das Sonnenlicht auf reifem Getreide,
ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn du in der Stille des Morgens erwachst,
bin ich der schnelle, aufsteigende Flug
ruhiger Vögel im Kreise,
bin ich der Tag, der die Nacht überwindet.
     Steh' nicht
          an meinem Grab und weine –
     ich bin nicht dort,
          ich bin nicht gestorben.

Original

Die aus Kansas (USA) stammende Clare Harner (1909 - 1977) veröffentlichte das Gedicht „Immortality“ erstmals in der Dezemberausgabe 1934 des Lyrikmagazins "The Gypsy".

     Do not stand
          By my grave, and weep.
     I am not there,
          I do not sleep—
I am the thousand winds that blow
I am the diamond glints in snow
I am the sunlight on ripened grain,
I am the gentle, autumn rain.
As you awake with morning's hush,
I am the swift, up-flinging rush
Of quiet birds in circling flight,
I am the day transcending night.
     Do not stand
          By my grave, and cry—
     I am not there,
          I did not die.

Weitere Versionen

Später erschienen weitere Versionen des Gedichts, meist ohne Quellenangabe, wie beispielsweise die untenstehende. Abweichende Wörter sind farbig und kursiv dargestellt.

Do not stand at my grave and weep,
I am not there, I do not sleep.
I am a thousand winds that blow;
I am the diamond glints on the snow.
I am the sunlight on ripened grain;
I am the gentle autumn's rain.
When you awaken in the morning's hush,
I am the swift uplifting rush
Of quiet birds in circled flight.
I am the soft star that shines at night.
Do not stand at my grave and cry.
I am not there; I did not die.

Übersetzung

Steht nicht an meinem Grab und weint,
ich bin nicht dort, ich schlafe nicht.
Ich bin tausend Winde, die wehen;
ich bin das Diamantenglitzern auf dem Schnee.
Ich bin das Sonnenlicht auf reifem Getreide;
ich bin der sanfte Herbstregen.
Wenn du in der Stille des Morgens erwachst,
bin ich der schnelle, erhebende Flug
der stillen Vögel im Kreise.
Ich bin der sanfte Stern, der in der Nacht leuchtet.
Steht nicht an meinem Grab und weint.
Ich bin nicht dort, ich bin nicht gestorben.

Anmerkung: Das Gedicht wird oft anonymen oder falschen Quellen zugeschrieben, wie beispielsweise den Hopi- und Navajo-Stämmen. Die bekannteste Anwärterin war Mary Elizabeth Frye (1905–2004), die oft Kopien des Gedichts mit ihrem Namen darauf verteilte. Sie wurde erstmals 1983 fälschlicherweise als Autorin des Gedichts genannt. In ihrem Nachruf wurde behauptet, dass ihre Urheberschaft „unbestritten” sei und von der Ratgeberkolumne "Dear Abby" bestätigt worden sei. Die Autoren der Kolumne, Pauline Phillips und ihre Tochter Jeanne Phillips, die unter dem Pseudonym Abigail van Buren schrieben, gestanden ihren Lesern jedoch wiederholt, dass sie nicht bestätigen könnten, wer das beliebte Gedicht geschrieben habe.

 

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