Ein Gedicht ist eine literarische Textform, die Sprache in verdichteter, klanglicher und oft rhythmischer Weise nutzt, um Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen auszudrücken.
Das Wort Lyrik leitet sich vom altgriechischen Wort "lyrikē" ab, mit der Bedeutung "poiesis", „(Poesie), die von der Leier begleitet wird“. Die antike griechische Lyrik bestand hauptsächlich aus gesungenen Versen.
Eine der ersten Lyrikerinnen war Sappho (* zwischen 630 und 612 v. Chr.; † um 570 v. Chr.) die auf der Insel Lesbos (Ägäis) lebte. Historisch war das Sonett eine der wichtigsten Gattung der Lyrik.
Lyrik (als Oberbegriff für Gedichte) wird traditionell als literarische Gattung von Epik und Dramatik unterschieden. Der Unterschied zum Epos (erzählende Texte) besteht darin, dass dieses eine Geschichte, eine Abfolge von Ereignissen, erzählt, während Lyrik Gefühle ausdrückt, beispielsweise eine Liebeserklärung oder ein Loblied auf die Schönheit der Natur.
Im Gegensatz zur epischen oder dramatischen Dichtung (Theatertexte; zu der sowohl Tragödie als auch Komödie gehörten), vermitteln Gedichte einen subjektiven Ausdruck, der sich insbesondere auf den Bereich persönlicher Empfindungen & Stimmungen bezieht.
Reime, Rhythmus und Metrum sind typisch, aber nicht zwingend erforderlich.
Begriffe
Ursprünglich war ein „Gedicht“ alles schriftlich Abgefasste; in dem Wort „Dichtung“ hat sich noch etwas von dieser Bedeutung erhalten. Seit dem 17. Jahrhundert wird der Begriff im heutigen Sinn für poetische Texte verwendet.
"Poem" ist im Englischen die Bezeichnung für ein Gedicht; "Poetry" steht für Versdichtung im Allgemeinen. Im Russischen meint "Poem" ein größeres (zyklisches) Werk der lyrischen Dichtung, oft mit epischen Zügen. Historisch wurde der Begriff vom deutschen Bildungsbürgertum abschätzig als Synonym für triviale Dichtung verwendet.
Traditionell verwenden Dichter verschiedene Stilmittel. Im Allgemeinen geht es dabei entweder um die Bedeutung der Wörter (Ersatzfiguren wie Metapher, Litotes, Oxymoron), ihren Klang (z. B. Alliteration, Paronomasie) oder ihre Reihenfolge im Satz (Anapher). Sie zeichnen sich durch komplexe sprachliche Transformationsprozesse aus, die den stilistischen Willen des Autors, die antizipierte Wirkung auf den Zuhörer, den Kontext und das kulturelle Bezugsuniversum mit einbeziehen.
In der Umgangssprache werden Stilmittel auch als literarische, stilistische, oder expressive Mittel bzw. rhetorische Figuren bezeichnet.
Poesie
Poesie (abgeleitet vom griechischen poiesis, "machen, schaffen" siehe auch "kreativ") ist eine Form der Literatur, die ästhetische und oft rhythmische Eigenschaften der Sprache - wie Phonästhetik, Prosodie, Klangsymbolik und Metrum - gebraucht.
Lyrik
Lyrik ist eine formale Form der Poesie, die persönliche Emotionen oder Gefühle zum Ausdruck bringt und in der Regel in der ersten Person gesprochen wird. Sie ist nicht mit Liedtexten gleichzusetzen, auch wenn diese oft im lyrischen Modus verfasst sind.
Der Begriff leitet sich von einer Form der altgriechischen Literatur ab, die sich durch ihre musikalische Begleitung, in der Regel auf einem Saiteninstrument, der Leier, auszeichnete.
Die Literaturtheorie basiert teilweise auf der von Aristoteles entwickelten Unterteilung in 3 Kategorien (Klassiker): Lyrik, Dramatik und Epik.
"Es gibt nur drei echte Naturformen der Poesie: die klar erzählende, die enthusiastisch aufgeregte und die persönlich handelnde: Epos, Lyrik und Drama. Diese drei Dichtweisen können zusammen oder abgesondert wirken." - Johann Wolfgang von Goethe
Prosa
Prosa bezeichnet die unstrukturierte Sprache im Gegensatz zur Formulierung in Versen, Reimen oder in rhythmischer Sprache.
Es handelt sich um eine Form der Sprache, die in der Regel einen natürlichen Redefluss und eine grammatikalische Struktur aufweist. Das Wort "Prosa" leitet sich vom altfranzösischen prose ab, das wiederum auf den lateinischen Ausdruck prosa oratio (wörtlich: geradlinige oder direkte Rede) zurückgeht. Werke der Philosophie, Geschichte, Wirtschaft usw., des Journalismus und der meisten Belletristik sind Beispiele für in Prosa geschriebene Werke.
Sie unterscheidet sich von den meisten traditionellen Gedichten, deren Form eine regelmäßige Struktur aufweist und aus Versen besteht, die auf Metrum und Reim basieren.
Ein Beispiel, wie derselbe Stoff sowohl als Prosa, als auch als Lyrik verarbeitet werden kann ist das Werk Der Engel im Walde von Gertrud Kolmar.
Vers
Ein Vers ist eine Zeile in einem Gedicht, d.h. eine Gruppe von Wörtern, die horizontal von links nach rechts auf der Seite angeordnet sind und eine Einheit bilden. In diesem Sinne ist es über das Französische aus dem Lateinischen entlehnt (versus: Reihe, Zeile).
Strophe
Eine Strophe (von altgriechisch strophē, deutsch ‚Wendung‘) ist ein (inhaltlicher) Abschnitt (aus mehreren Versen) eines lyrischen Textes.
Reim
Ein Reim ist eine Wiederholung ähnlicher Laute in den letzten betonten Silben. Meistens wird er als ästhetischer Effekt in der Endstellung von Zeilen in Gedichten oder Liedern verwendet. Zudem wird der Begriff manchmal auch als Bezeichnung für ein kurzes Gedicht verwendet, z.B. einen Kinderreim.
Metrum
Ein Großteil der Lyrik beruht auf einem regelmäßigen Metrum (Versmaß), das entweder auf der Anzahl der Silben oder auf der Betonung beruht. Die gebräuchlichsten Metren sind die folgenden:
- Jambisch - 2 Silben, wobei auf die kurze oder unbetonte Silbe die lange oder betonte Silbe folgt (◡—).
- Trochäisch - 2 Silben, wobei die lange oder betonte Silbe von der kurzen oder unbetonten Silbe gefolgt wird (—◡). Im Englischen findet man dieses Metrum fast ausschließlich.
- Pyrrhichius - 2 unbetonte Silben.
- Anapästisch - 3 Silben, wobei die ersten beiden kurz oder unbetont und die letzte lang oder betont sind.
- Daktylisch - 3 Silben, von denen die erste lang oder betont und die beiden anderen kurz oder unbetont sind.
- Spondylisch - 2 Silben, mit zwei aufeinander folgenden langen oder betonten Silben.
Einige Formen weisen eine Kombination von Metren auf, wobei für den Refrain oft ein anderes Metrum verwendet wird.
Ein Jambus ist ein Versmaß (Metrum) in der Dichtung, das aus einer Abfolge von Silben nach dem Muster unbetont–betont (Senkung–Hebung, ◡—) besteht, wie zum Beispiel in Wörtern wie „Ge-dicht“, „Ver-stand“.
Sein metrisches Gegenstück ist der Trochäus (altgriechisch „laufend“) (—◡); z.B. „Freu-de“. Er erzeugt einen schnellen, rhythmischen Impuls und hat eine ist meist dynamische und energiegeladene Wirkung (Stichwort: Herzschlag).
Form
Poetische Texte treten in zahlreichen sprachlichen Formen auf. Auf verschiedenen Ebenen der sprachlichen Gestaltung unterscheidet man:
- Versfuß (Jambus, Trochäus, Anapäst, Daktylus, u.a.)
- Versmaß (Hexameter, Pentameter, Alexandriner, Blankvers, u.a.)
- Strophenform (Chevy-Chase-Strophe, Distichon (zweizeilig), Sestine, Stanze (Oktave), u.a.)
Der Alexandriner ist ein sechshebiger Jambus mit einer obligatorischen Zäsur (Pause) in der Mitte, meist nach der sechsten Silbe bzw. dritten Hebung, was ihn von 12 oder 13 Silben pro Vers ausmacht. Er ist charakteristisch für das Barock und Drama (z.B. bei Gryphius), und wurde durch den französischen "Roman d'Alexandre" (12. Jahrhundert) bekannt.
Der Blankvers ist ein (reimloser) Vers, der meist aus einem fünfhebigem Jambus besteht.
Gedichtformen
- Sonett (Klinggedicht)
- Epigramm (kurzes Sinngedicht)
- Ballade (ursp.: Tanzlied)
- Ode (feierlicher & erhabener Stil )
- Lied
- Elegie (Klagegedicht; oft als Distichon)
- Hymne (Lobgesang)
- Ghasel (arab.: Gespinst, Liebesworte)
- Haiku und Senryū (japanische Gedichtform)
- Akrostichon
- Lehrgedicht
- Elfchen
Trauergesänge in der Griechischen Antike wurden hauptsächlich als Threnos (Klagelied) oder Epikedeion (Leichenlied) bezeichnet.
Kadenz
Unter Kadenz versteht man in der Verslehre die metrisch-rhythmische Gestalt des Versschlusses, also der letzten Silben des Verses von der letzten betonten Silbe an.
Der Begriff Kadenz stammt von dem italienischen Wort "cadenza" „das Fallen“ (von lateinisch "cadere" „fallen“ / „stürzen“) und beschreibt, wie ein Vers "abfällt", also endet.
Es werden aufgrund der Anzahl der Silben und des Vers-Schlusses 3 Formen unterschieden:
- einsilbig (auch männlicher oder stumpfer): endet mit einer betonten Silbe, z. B. „Steht die Form, aus Lehm gebrannt“
- zweisilbiger (auch weiblicher oder klingender): endet mit einer unbetonten Silbe, z. B. „Fest gemauert in der Erden“
- dreisilbiger (auch reicher oder gleitender): endet mit 2 unbetonten Silben, z. B. „schmerzliche, märzliche, singende“
Die Bezeichnungen „männlich“, „weiblich“, „stumpf“, „klingend“ usw. entsprechen dabei den gebräuchlichen Bezeichnungen für Reime entsprechender Länge, wobei die Kadenz unabhängig vom Endreim ist, das heißt auch ein ungereimter Vers kann zum Beispiel eine weibliche Kadenz haben.
In der deutschen Sprache sind die grammatikalisch weiblichen Wörter am Ende meistens unbetont, während die männlichen Wörter meistens betont sind.
Der reiche Reim ist als Endreim im Deutschen sehr selten. Ebenso selten ist eine reiche Kadenz: auch daktylische Verse enden meist katalektisch, das heißt der letzte Daktylus —◡◡ wird zu —◡ verkürzt.
Geschichte
Die Poesie hat eine lange Geschichte - sie reicht zurück bis in die prähistorische Zeit mit der Jagdpoesie in Afrika und zur panegyrischen und elegischen Hofpoesie der Reiche im Nil-, Niger- und Voltatal. Einige der frühesten schriftlichen Gedichte in Afrika finden sich in den Pyramidentexten, die im 25. Jahrhundert vor Christus geschrieben wurden. Die früheste erhaltene westasiatische epische Dichtung, das Gilgamesch-Epos, wurde in sumerischer Sprache verfasst.
Frühe Gedichte auf dem eurasischen Kontinent entwickelten sich aus Volksliedern wie dem chinesischen Shijing oder aus dem Bedürfnis, mündlich überlieferte Epen nachzuerzählen, wie bei den sanskritischen Veden, den zoroastrischen Gathas und den homerischen Epen, der Ilias und der Odyssee. Die antiken griechischen Versuche, Poesie zu definieren, wie z.B. Die Poetik von Aristoteles, konzentrierten sich auf den Gebrauch der Sprache in Rhetorik, Drama, Gesang und Komödie. Spätere Versuche legten ihren Schwerpunkt auf Merkmale wie Wiederholung, Versform und Reim und betonten die Ästhetik, die die Poesie von der eher objektiv-informativen prosaischen Schrift unterscheidet.
Die Poesie verwendet Formen und Konventionen, um unterschiedliche Interpretationen von Wörtern zu suggerieren oder um emotionale Reaktionen hervorzurufen. Mittel wie Assonanz, Alliteration, Onomatopoesie und Rhythmus können musikalische oder beschwörende Effekte vermitteln. Die Verwendung von Zweideutigkeit, Symbolismus, Ironie und anderen Stilelementen der poetischen Diktion lässt ein Gedicht oft für mehrere Interpretationen offen. In ähnlicher Weise stellen Redewendungen wie Metapher, Gleichnis und Metonymie eine Resonanz zwischen ansonsten disparaten Bildern her - eine Schichtung von Bedeutungen, die Verbindungen schafft, die zuvor nicht wahrgenommen wurden. Ähnliche Formen der Resonanz können zwischen einzelnen Versen in ihren Reim- oder Rhythmusmustern bestehen.
Einige Gedichttypen sind einzigartig für bestimmte Kulturen und Gattungen und reagieren auf Merkmale der Sprache, in der der Dichter schreibt. Leser, die daran gewöhnt sind, Poesie mit Dante, Goethe, Mickiewicz oder Rumi zu identifizieren, denken vielleicht, dass sie in Zeilen geschrieben ist, die auf Reim und regelmäßigem Metrum basieren. Es gibt jedoch Traditionen, wie die biblische Poesie, die andere Mittel verwenden, um Rhythmus und Wohlklang zu erzeugen. Viele moderne Gedichte spiegeln eine Kritik an der poetischen Tradition wider, indem sie das Prinzip des Wohlklangs selbst testen oder ganz auf Reim oder festen Rhythmus verzichten. In einer zunehmend globalisierten Welt adaptieren Dichter oft Formen, Stile und Techniken aus verschiedenen Kulturen und Sprachen.
Eine westliche kulturelle Tradition (die mindestens von Homer bis Rilke reicht) verbindet die Produktion von Poesie mit Inspiration - oft durch eine Muse (entweder klassisch oder zeitgenössisch).
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