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Das Gedicht „Die Flucht der Heiligen Familie“ stammt aus der Feder von Joseph von Eichendorff.

Länger fallen schon die Schatten,
Durch die kühle Abendluft,
Waldwärts über stille Matten
Schreitet Joseph von der Kluft,
Führt den Esel treu am Zügel;

Linde Lüfte fächeln kaum,
's sind der Engel leise Flügel,
Die das Kindlein sieht im Traum,
Und Maria schauet nieder
Auf das Kind voll Lust und Leid,
Singt im Herzen Wiegenlieder
In der stillen Einsamkeit.

Die Johanneswürmchen kreisen
Emsig leuchtend übern Weg,
Wollen der Mutter Gottes weisen
Durch die Wildnis jeden Steg,
Und durchs Gras geht süßes Schaudern,
Streift es ihres Mantels Saum;
Bächlein auch läßt jetzt sein Plaudern
Und die Wälder flüstern kaum,
Daß sie nicht die Flucht verraten.

Und das Kindlein hob die Hand,
Da sie ihm so Liebes taten,
Segnete das stille Land,
Daß die Erd mit Blumen, Bäumen
Fernerhin in Ewigkeit
Nächtlich muß vom Himmel träumen –
O gebenedeite Zeit!

Siehe auch das Gedicht Das Wunder der Heiligen Nacht von Friedrich von Bodelschwingh.

Hintergrund

Die Geschichte der Flucht nach Ägypten findet sich in der Bibel im Matthäusevangelium (Kapitel 2, Verse 13-23). Es wird berichtet, dass Weise aus dem Osten (Morgenland) nach dem neugeborenen „König der Juden“ suchten. Herodes erfuhr davon und befahl seinen Soldaten, nach Bethlehem zu ziehen und alle Knaben unter 2 Jahren zu töten (Kindermord zu Bethlehem). Doch ein Engel erschien Josef im Traum und wies ihn an, mit Jesus und Maria nach Ägypten zu fliehen.

Dem Evangelium zufolge kehrten sie nach dem Tod des Herodes nach Judäa zurück. Als sie erfuhren, dass der gewalttätige Herodes Archelaus der neue König von Judäa war, wanderten sie nach Nazareth in Galiläa aus , das unter der Herrschaft des Herodes Antipas stand. Die Rückkehr aus Ägypten war laut Matthäus 2,15 die Erfüllung einer Prophezeiung des Propheten Hosea: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“

Der Flucht wird als einer der "Sieben Schmerzen Mariens" im katholischen liturgischen Kalender am 15. September gedacht.

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