Das Gedicht „Der Bratapfel“ stammt aus der Feder von Volksgut.
I.
Kinder, kommt und ratet,
Was im Ofen bratet!
Hört, wie's knallt und zischt.
Bald wird er aufgetischt,
Der Zipfel, der Zapfel,
Der Kipfel, der Kapfel,
Der gelbrote Apfel.
Kinder, lauft schneller,
Holt einen Teller,
Holt eine Gabel!
Sperrt auf den Schnabel
Für den Zipfel, den Zapfel,
Den Kipfel, den Kapfel,
Den goldbraunen Apfel!
Sie pusten und prusten,
Sie gucken und schlucken,
Sie schnalzen und schmecken,
Sie lecken und schlecken
Den Zipfel, den Zapfel,
Den Kipfel, den Kapfel,
Den knusprigen Apfel.
Es gibt das Gedicht "Der Bratapfel" (mit dem "Refrain": der Zipfel, der Zapfel …) auch als ästhetisch ansprechend gestaltetes PDF (DIN A4) zum Ausdrucken: Der Bratapfel (PDF).
Siehe auch das Gedicht Vom schlafenden Apfel von Robert Reinick.
Hintergrund
Zipfel: kleiner, länglicher und schmal zulaufender Fortsatz, Endstück (bei Textilien (Zipfelmütze) aber auch in der Geographie).
Zapfel: kleiner Schankwirt; siehe auch Zäpfleinwirt (Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm). Anlehnung an das Verb "zapfen": z.B. Bier aus einem (Holz-) Fass herausfließen lassen.
Im Gedicht wahrscheinlich aber als reimendes Wortspiel zu Zipfel gemeint - bzw. als Anspielung auf "Apfel".
Kipfel: (auch Kipferl bzw. Gipfel) ist eine längliche, gebogene Backware (z.B. Hörnchen; französisch: Croissant).
Kapfel: Analog zu Zapfel; wahrscheinlich eine Anspielung auf "Apfel".
Bratäpfel sind eine einfache Süßspeise die traditionell im Winter und zur Weihnachtszeit zubereitet werden.
Ein Apfel mit leicht säuerlichem Geschmack, wie zum Beispiel Boskoop, dessen Kerngehäuse entfernt wurde, wird im Ofen mit Butter gebacken (also keineswegs in einer Pfanne gebraten), bis die Schale aufplatzt. Anschließend wird er mit Zucker und Zimt bestreut.
Es gibt viele Variationen dieses Rezepts, zum Beispiel wird der Apfel auch mit Rosinen oder verschiedenen Marmeladen gefüllt.
Autor: Das Gedicht "Der Bratapfel" stammt aus dem bayerischen Volksmund. Emily und Fritz Kögel haben es in ihrer Sammlung von Kindergedichten mit dem Titel "Die Arche Noah" (1901) festgehalten. Es wird seitdem häufig im Deutschunterricht in der Grundschule verwendet.
II.
Es gibt noch ein weiteres Gedicht mit dem Titel "Der Bratapfel" das manchmal Joachim Ringelnatz zugeordnet wird (siehe auch sein Gedicht Vorfreude auf Weihnachten). Wahrscheinlicher ist aber, das es von einem unbekannten Autor stammt.
Verzeihen Sie, wenn ich störe!,
rief ein Apfel aus der Röhre.
Was ich erlebt, das glaubt man kaum -
ich hing an einem Apfelbaum.
Der Baum stand dicht vor einem Haus -
dort wohnt der Bauer Nikolaus.
Da sah ich nachts bei Mondes Schein,
es stieg ein Dieb zum Fenster rein.
Ich, um ihn zu vertreiben,
fiel ab und pochte an die Scheiben.
Der Dieb, der dachte sich:
Oh-oh, der ließ das Geld im Stich - und floh.
So hab‘ ich Nikolaus beschützt –
es hat mir aber nichts genützt.
Mit grober Hand griff mich der Bauer,
besah mich lang und sagte: Sauer.
Nun muss ich hier im Topfe kochen,
mir ist das Herz schon fast gebrochen.
Das eine ist mir aber klar:
Die Menschen sind oft undankbar.
Weitere sehr interessante Gedichte zum Thema "Backen":
- Plätzchen backen — Unbekannt
- Vom Honigkuchenmann — Fallersleben
- Weihnachtsgebäck — Braun
- Der Bratapfel — Volksgut
- Weihnachtsschnee — Dehmel
- Ich wünsch mir was — Volksmund
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