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Das Gedicht „Komm, lieber Mai, und mache“ stammt aus der Feder von Christian Adolph Overbeck.

Komm, lieber Mai, und mache
die Bäume wieder grün,
und lass mir an dem Bache
die kleinen Veilchen blühn!
Wie möcht ich doch so gerne
ein Veilchen wieder sehn!
Ach, lieber Mai, wie gerne
einmal spazieren gehn!

Zwar Wintertage haben
wohl auch der Freuden viel;
man kann im Schnee eins traben,
und treibt manch Abendspiel;
baut Häuserchen von Karten,
spielt Blindekuh und Pfand;
auch gibt’s wohl Schlittenfahrten
aufs liebe freie Land.

Doch wenn die Vöglein singen,
und wir dann froh und flink
auf grünen Rasen springen,
das ist ein ander Ding!
Jetzt muss mein Steckenpferdchen
dort in dem Winkel stehn,
denn draußen in dem Gärtchen
kann man vor Kot nicht gehn.

Am meisten aber dauert
mich Fiekchens Herzeleid.
Das arme Mädchen lauert
recht auf die Blumenzeit!
Umsonst hol ich ihr Spielchen
zum Zeitvertreib herbei:
Sie sitzt in ihrem Stühlchen
wie’s Hühnchen auf dem Ei.

Ach, wenn’s doch erst gelinder
und grüner draußen wär!
Komm, lieber Mai, wir Kinder,
wir bitten gar zu sehr!
O komm und bring vor allen
uns viele Veilchen mit!
Bring auch viel Nachtigallen
und schöne Kuckucks mit!

Anmerkung: Christian Adolph Overbeck (1755 - 1821) war ein deutscher Diplomat, Dichter, Aufklärer und Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Die bekannteste Vertonung des Textes schuf Wolfgang Amadeus Mozart unter dem Titel "Sehnsucht nach dem Frühlinge" (KV 596). Das Motiv der Melodie entlehnte Mozart dem Thema des Schlusssatzes seines wenige Tage zuvor fertiggestellten Klavierkonzerts Nr. 27 B-Dur (KV 595).
Es zählt neben Franz Schuberts "Am Brunnen vor dem Tore" und Johannes Brahms’ "Guten Abend, gut’ Nacht" zu den seltenen Beispielen von Kunstliedern, die durch ihre breite Rezeption zu echten Volksliedern wurden.

 

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