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Das Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ stammt aus der Feder von Christian Hofmann von Hofmannswaldau.

Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen
Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand.

Der Augen süßer Blitz, die Kräfte deiner Hand
Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen
Das Haar, das jetztund kann des Goldes Glanz erreichen
Tilget endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.

Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden
Die werden teils zu Staub, teils nichts und nichtig werden
Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.

Dies und noch mehr als dies muss endlich untergehen
Dein Herze kann allein zu aller Zeit bestehen
Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.

Analyse

Das Sonett "Vergänglichkeit der Schönheit" (1670; Epoche des Barock) besteht aus 4 Strophen mit je 4 (Quartett) bzw. 3 (Terzett) Versen. Das Versmaß ist ein sechshebiger Jambus (auch Alexandriner genannt). Auf jede unbetonte Silbe folgt eine betonte Silbe. In der Mitte des Verses entsteht so eine Pause.

Im umarmenden Reim (abba) der Quartette haben der erste und der letzte Vers je eine männliche Kadenz (betont). Die beiden mittleren Verse der Quartette haben weibliche Kadenz (unbetont). In den Terzetten (Schweifreim (ccd, eed)) haben die ersten beiden Verse je eine weibliche Kadenz und der letzte Vers eine männliche Kadenz.

Inhalt / Zusammenfassung

Das Gedicht behandelt den Verlust der Schönheit und die Folgen. Das lyrische Ich beschreibt das Älterwerden einer jungen Frau und die Konsequenzen die ihr Körper dadurch erfährt. Ihre Seele ist von diesem Verfall allerdings nicht betroffen und überdauert sogar den Tod.
Es ist ein Liebesgedicht, das aber auch als Parodie, auf die im Barock häufig in der Literatur anzutreffende Vanitas-Thematik, interpretiert werden kann.

Hintergrund

Die Unterscheidung zwischen dem, was schön ist, und dem, was nicht schön ist, variiert je nach Epoche und Individuum. Das Schöne oder die Schönheit ist ein abstrakter Begriff, der mit vielen Aspekten der menschlichen Existenz verbunden ist. Dieser Begriff wird hauptsächlich von der philosophischen Disziplin der Ästhetik untersucht, wird aber teilweise auch von anderen Bereichen (Geschichte, Soziologie, Psychologie, Kunst) behandelt.

Das Schöne wird gemeinhin als die Eigenschaft einer Sache definiert, die durch eine sinnliche (Wahrnehmung) oder intellektuelle Erfahrung ein Gefühl der Freude oder ein Gefühl der Befriedigung hervorruft; in diesem Sinne entsteht Schönheit beispielsweise durch Erscheinungsformen wie Form, Optik, Bewegung und Klang.

Der Philosoph und Romancier Umberto Eco schrieb auch die Bücher "Die Geschichte der Schönheit" (2004) und "Die Geschichte der Hässlichkeit" (2007). Der Erzähler seines Romans "Der Name der Rose" (1980) folgt Aquin in seiner Erklärung:
"Drei Dinge wirken zusammen, um Schönheit zu schaffen: zuerst die Unversehrtheit oder Vollkommenheit, und aus diesem Grund halten wir alles Unvollkommene für hässlich; dann die richtige Proportion oder den richtigen Gleichklang; und schließlich die Klarheit und das Licht", bevor er sagt: "Der Anblick des Schönen bringt Frieden mit sich".

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