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Das Gedicht „Lobet den Herren alle, die ihn ehren“ stammt aus der Feder von Paul Gerhardt.

Lobet den Herren alle, die ihn ehren;
lasst uns mit Freuden seinem Namen singen
und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.
Lobet den Herren!

Der unser Leben, das er uns gegeben,
in dieser Nacht so väterlich bedecket
und aus dem Schlaf uns fröhlich auferwecket:
Lobet den Herren!

Dass unsre Sinnen wir noch brauchen können
und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,
das haben wir zu danken seinem Segen.
Lobet den Herren!

Dass Feuerflammen uns nicht allzusammen
mit unsern Häusern unversehns gefressen,
das macht's, dass wir in seinem Schoß gesessen.
Lobet den Herren!

Dass Dieb und Räuber unser Gut und Leiber
nicht angetast' und grausamlich verletzet,
dawider hat sein Engel sich gesetzet.
Lobet den Herren!

O treuer Hüter, Brunnen aller Güter,
ach lass doch ferner über unser Leben
bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben.
Lobet den Herren!

Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite
auf unsern Wegen unverhindert gehen
und überall in deiner Gnade stehen.
Lobet den Herren!

Treib unsern Willen, dein Wort zu erfüllen;
hilf uns gehorsam wirken deine Werke;
und wo wir schwach sind, da gib du uns Stärke.
Lobet den Herren!

Richt unsre Herzen, dass wir ja nicht scherzen
mit deinen Strafen, sondern fromm zu werden
vor deiner Zukunft uns bemühn auf Erden.
Lobet den Herren!

Herr, du wirst kommen und all deine Frommen,
die sich bekehren, gnädig dahin bringen,
da alle Engel ewig, ewig singen:
"Lobet den Herren!"

Alternativer Titel: Morgenlied

Analyse

Das Gedicht "Lobet den Herren alle" (1660) besteht aus 10 Strophen, die jeweils aus 3 Versen mit 11 Silben und einer Schlusszeile mit 5 Silben bestehen, wobei die Schlusszeile stets denselben Aufruf „Lobet den Herren“ aufgreift.
Diese Strophenform wurde in der Lyrik des deutschen Humanismus und Barocks häufig verwendet und als sapphische Strophe bezeichnet. Sie findet sich auch in Kirchenliedern wie „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ von Johann Heermann. Das Reimschema ist unkonventionell: Es reimt sich innerhalb der beiden Hälften der ersten Zeile, die letzte Zeile bleibt jedoch ohne Reim. Alle neuen Gesangbücher ändern in die erste Zeile "Lobet den Herren / Alle / die ihn fürchten /" und ersetzten „fürchten“ durch „ehren“, um dem Schema zu entsprechen.

Hintergrund

Die wiederholte Zeile „Lobet den Herren“ hat dieselbe Funktion wie das biblische Halleluja: sowohl einen Aufruf zum Lobpreis als auch den Lobpreis selbst. Gerhardt verwendet sie für ein Morgengebet, um den Tag mit Lobpreis zu beginnen, motiviert in den Strophen 2 bis 5 durch Dank für den Schutz vor den Gefahren der Nacht. Diese könnten durch Gefahren inspiriert worden sein, die im Dreißigjährigen Krieg erlebt wurden. Die Strophen 6 bis 9 sind ein Gebet um weitere Führung auf einem Weg, der den göttlichen Geboten folgt, in Erwartung der Wiederkunft Christi („deiner Zukunft“). Die letzte Strophe stellt in einer eschatologischen Perspektive das endgültige Lobpreis in Gemeinschaft mit den Engeln dar.

Der sorbische Komponist Johann Crüger (1598 - 1662) veröffentlichte eine Melodie in in C-Dur. Diese entspricht der positiven und vertrauensvollen Grundstimmung des Textes. Im Wechsel von Vierteln und Halben gleicht sie den schwebenden Rhythmus der Sapphischen Strophe zur geraden Taktart aus.

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