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Das Gedicht „Hohe Tannen weisen die Sterne“ (Rübezahllied) stammt aus der Feder von Unbekannt.

Hohe Tannen weisen die Sterne
An der Iser in schäumender Flut.
Liegt die Heimat auch in weiter Ferne,
Doch du, Rübezahl, hütest sie gut.

Hast dich uns auch zu eigen gegeben,
Der die Sagen und Märchen erspinnt,
Und im tiefsten Waldesfrieden,
Die Gestalt eines Riesen annimmt.

Komm zu uns an das lodernde Feuer,
An die Berge bei stürmischer Nacht.
Schütz die Zelte, die Heimat, die teure,
Komm und halte bei uns treu die Wacht.

Höre, Rübezahl, lass dir sagen:
Volk und Heimat sind nimmermehr frei.
Schwing die Keule wie in alten Tagen,
Schlage Hader und Zwietracht entzwei.

Weiße Blume im Lichte da droben
Träume weiter vom wilden Streit
Denn Dir Blume ist im Ring da droben
Unser Waffengang des Lebens geweiht.

Varianten

Die 1994 verbotene neonazistische Wiking-Jugend fügte dem Lied in ihrem Liederbuch eine weitere Strophe hinzu:

Odalrune auf blutrotem Tuche,
Weh voran uns zum härtesten Streit.
Odalrune, dir Zeichen aller Freien,
Sei der Kampf unseres Lebens geweiht.

Anmerkung: Odalrune ist die letzte und vierundzwanzigste Rune des alten Futhark (Runenreihe). Ihr Klang ist 'O'. Die Rune bedeutet Er bedeutet vermutlich „Eigentum, Erbbesitz, Stammgut, in der Sippe erbliches Vermögen“. Es gab ein germanisches Wort mit dieser Bedeutung, das noch in -at im deutschen Wort Heimat, dem Wort "Adel" sowie dem Wort "Armut" weiterlebt.


Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die erste und vierte Strophe von Jugendgruppen wie den „Navajos“ in Köln und Kalk mit einem anderen Text gesungen:

Hohe Tannen weisen uns die Sterne
über der Isar springender Flut,
liegt ein Lager der Edelweißpiraten,
doch Du Eisbär schützt es gut.

Rübezahl, hör was wir dir sagen,
die bündische Jugend ist nicht mehr frei.
Schwingt den Spaten der Edelweißpiraten,
schlagt die Bündische Jugend wieder frei.

Die letzte Strophe war auch mit dem abgeänderten Refrain „schlagt die Hitler-Jugend entzwei“ geläufig.

Inhalt/Zusammenfassung

Der Text bezieht sich auf Berge mit hohen Tannen, was gemeinhin als das Schlesische Riesengebirge verstanden wird. Er richtet sich an Rübezahl, einen regionalen Berggeist, als Beschützer der vermissten, weit entfernten Heimat. Rübezahl wird eingeladen, sich der Gruppe anzuschließen, die um ein Feuer singt, um über die unfreie Heimat nachzudenken und Streit und Zwietracht zu beenden.

Hintergrund

Den Legenden zufolge ist Rübezahl der wahre Herrscher des Gebiets, das sich von den Bergen bis ins Erdinnere erstreckt. Er ist Jahrhunderte alt und verlässt seine unterirdischen Gemächer nur selten. Dann kann er jede beliebige Gestalt annehmen.

Die Melodie geht auf die des fränkischen Liedes "Wahre Freundschaft soll nicht wanken" aus dem 18. Jahrhundert zurück, das Hoffmann von Fallersleben und Ernst Richter 1842 in ihrer Sammlung Schlesische Volkslieder mit Melodien veröffentlichten. Der Komponist ist unbekannt.

Der Text zu "Hohe Tannen weisen die Sterne" – das Rübezahllied – wurde 1923 anonym in der Zeitschrift "Jugendland der deutschen Ringpfadfinder" veröffentlicht. Wenige Jahre nach der Veröffentlichung wurde die letzte Zeile der Schlussstrophe „unser Waffengang des Lebens geweiht“ wohl wegen ihres martialischen Inhalts in „sei der Gang unseres Lebens geweiht“ geändert.

 

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