Das Gedicht „Fastnacht“ stammt aus der Feder von Oswald von Wolkenstein.
Hochdeutsch
Es naht sich schon die Fasenacht,
da laßt uns frech und fröhlich sein;
zu zwein und zwein zusammenbracht,
gleichwie die zarten Täubelein.
Doch ich hab mich schon hingesellt
zu meiner Krücken,
die mir mein Schatz hat auserwählt
statt liebem Drücken.
Und ich die Kruck fest an mich zuck,
recht freundlich unter die Achsel ruck;
ich geb ihr manchen harten Druck
und laß sie knarren.
Was mußte mir zur Fasenacht
das widerfahren?
Blähä, seid still, ihr Narren!
Da nun die wilden Vöglein sind
gepaart schon ohne allen Neid,
was soll man denn als zahmes Kind
nicht feiern diese liebe Zeit,
umarmen, küssen ein schönes Weib?
Laß dich genießen!
Gewähre deinen jungen Leib
ohn' all Verdrießen!
Und ich die Kruck fest an mich zuck,
recht freundlich unter die Achsel ruck;
ich geb ihr manchen harten Druck
und laß sie knarren.
Was mußte mir zur Fasenacht
das widerfahren?
Blähä, seid still, ihr Narren!
Die Fastnacht und des Maien Pfad,
die pfeifen gern aus einem Sack.
Was sich das Jahr verborgen hat,
das äugt nun offen an den Tag.
Doch hat mein Schatz die Tück gespart
mit falschen Winken
bis an den Herbst: Verfluchte Fahrt,
denn ich muß hinken!
Und ich die Kruck fest an mich zuck,
recht freundlich unter die Achsel ruck;
ich geb ihr manchen harten Druck
und laß sie knarren.
Was mußte mir zur Fasenacht
das widerfahren?
Blähä, seid still, ihr Narren!
Original
Es nahet gen der uasenacht, des süll wir gail und frölich sein
ye zway und zway ze sament tracht, recht als die zarten teubelein
doch hab ich mich gar schon gesellt zu meiner krucken
dir mir mein bül hat auserwellt für lieplich rucken
repeticio
Wnd ich die kruck uast an mich zuck, freuntlichen under das üchsen smuck
ich gib jr mangen hertten druck, das sy müss kerren,
wie möcht mir gen der vasenacht noch bas gewerrê
plehe nu lat ew’ plerren
Seyd das die wilden uaglin sint, gezwayt yet schon an allen neydt,
was wolten dann die liebn’ kind, nu feyern gen der lieben zeit
mit halsen küssen ein schönes weib, schmucz la dich niessen
haimlichen brauch dein iungen leib an als uerdriessen
Die uasnacht und des mayen pfat, die pfeiffen uast auss einem sack
was sich das jar verborgen hat, das tüt sich ögen an dem tag
doch hat mein frow jr tück gespart mit falschem wincken
all gen dem herbst ich schraw jr uart seyd ich müss hincken.
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