Das Gedicht „Du bist min, ich bin din“ stammt aus der Feder von Unbekannt.
Original
Du bist min, ich bin din:
Des solt du gewis sin.
Du bist beslozzen
In minem herzen;
Verlorn ist daz sluzzelin:
Du muost immer drinne sin.
Hochdeutsch
Du bist mein, ich bin dein.
Dessen sollst du gewiss sein.
Du bist eingeschlossen
in meinem Herzen,
verloren ist das Schlüsselchen:
Du musst auch für immer darin bleiben.
Siehe auch die Liebesgedichte Under der linden — Vogelweide von Walther von der Vogelweide sowie Ich habe dich so lieb von Joachim Ringelnatz.
Analyse
Das Gedicht "Dû bist mîn, ich bin dîn" (um 1180; Epoche des Mittelalters) besteht aus 1er Strophe mit 6 Versen. Es besteht aus 3 gleichgebauten Reimpaaren (Metrum: aabbaa) mit folgender Kadenz: v:v|kl:kl|v:v.
Eine weitere Interpretation sieht den Text hingegen als 6 Prosa-Zeilen unterschiedlicher Länge, die einen vierfachen "în"-Reim und einen zweifachen "zen"-Reim aufweisen.
Hintergrund
Der Text (im Original: Mittelhochdeutsche Sprache) gehört zu den bekanntesten Beispielen der deutschen Literatur des Mittelalters und gilt als ältestes mittelhochdeutsches Liebeslied.
Er ist Bestandteil eines Briefwechsel zwischen einer Dame (Nonne) und einem Mönch. Allerdings sind die Briefe allesamt von einer Hand notiert, weshalb die Authentizität des Textes häufig fragwürdig ist. Möglicherweise sind die Briefe alleinige Fiktion eines Mönches.
Weitere bemerkenswerte Gedichte von Unbekannt:
- Du bist min, ich bin din - mittelhochdeutsches Liebeslied
- O Liebe, kehre meinem Herzen… - Epoche der Empfindsamkeit
- Es ist ein Schnee gefallen - neuhochdeutsches Naturgedicht oder Liebeslied
- Der Frühling ist die schönste Zeit! - häufig Annette von Droste-Hülshoff untergeschoben
- Es weht der Wind ein Blatt vom Baum - oft fälschlich Goethe, Hesse oder Rilke zugeschrieben
- Ich wollte leben - Reifezeugnis
- Ich wünsch mir was - Kindergedicht
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