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Das Gedicht „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da“ stammt aus der Feder von Otto Ernst Hesse.

Wenn die Bürger schlafen gehn
In der Zipfelmütze
Und zu ihrem König flehn,
Daß er sie beschütze,
Ziehn wir festlich angetan
Hin zu den Tavernen;
Schlendrian, Schlendrian
Unter den Laternen.

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da
Die Nacht ist da, daß was gescheh'.
Ein Schiff ist nicht nur für den Hafen da,
Es muß hinaus, hinaus auf hohe See!
Berauscht euch, Freunde, trinkt und liebt und lacht
Und lebt den schönsten Augenblick,
Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht,
Bedeutet Seligkeit und Glück!

Wenn im Glase perlt der Sekt
Unter roten Ampeln
Und die Mädchen süß erschreckt
Auf dem Schoß uns strampeln,
Küssen wir die Prüderie
Von den roten Mündern;
Amnestie, Amnestie
Allen braven Sündern!

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …

Wenn der Morgen endlich graut
Durch die dunst'gen Scheiben,
Und die Männer ohne Braut
Beieinander bleiben,
Schmieden sie im Flüsterton
Aus Gesprächen Bomben;
Rebellion, Rebellion
in den Katakomben!

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …

Anmerkung: Otto Ernst Hesse (1891 - 1946) war ein deutscher Dramatiker, Publizist, Komödienautor, Erzähler, Lyriker und Theaterkritiker. Er publizierte auch unter dem Pseudonym Michael Gesell.

Die Musik zu "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen" stammte von Theo Mackeben. Gesungen wurde der Titel erstmals von Gustaf Gründgens in dem Film "Tanz auf dem Vulkan" (1938), der im Paris des Jahres 1830 spielt.

 

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