Das Gedicht „An der Grenze“ stammt aus der Feder von Gertrud Kolmar.
An der Grenze grüßt ein Haus.
Wandrers Zuflucht, stammgezimmert,
Schirmt's vorm Strahl, der ficht und flimmert,
Wehrt dem Herbstwind, der's umwimmert.
Oftmals späht ich von ihm aus
Nach der Grenze.
An die Grenze kroch der Schmerz,
Lag im Busch als bunte Steine;
Fand ich einen, ward's der meine.
Schrittweis kehr' ich heim und weine,
Und mir blieb mein müdes Herz
An der Grenze.
Auf die Grenze fällt bald Schnee,
Stäubt und schlägt: Ein Weg erblindet,
Der durch Tann sich aufwärts windet.
Ob zurück ins Tal er findet?
Eins nur weiß ich wohl: ich steh'
An der Grenze.
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