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Das Gedicht „An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine“ stammt aus der Feder von Ludwig Thoma.

Warum schimpfen Sie, Herr Lizentiate,
Über die Unmoral in der Kemenate?
Warum erheben Sie ein solches Geheule,
Sie gnadentriefende Schöpsenkeule?

Ezechiel und Jeremiae Jünger,
Was beschmeußen Sie uns mit dem Bibeldünger?
Was gereucht Ihnen zu solchem Schmerze,
Sie evangelische Unschlittkerze?

Was wissen Sie eigentlich von der Liebe
Mit Ihrem Pastoren-Kaninchentriebe,
Sie multiplizierter Kindererzeuger,
Sie gottesseliger Bettbesteuger? .

Als wie die Menschen noch glücklich waren,
Herr Lizentiate, vor vielen Jahren,
Da wohnte Frau Venus im Griechenlande
In schönen Tempeln am Meeresstrande.

Man hielt sie als Göttin in hohen Ehren
Und lauschte willig den holden Lehren.
Sie reden von einem schmutzigen Laster,
Sie jammerseliges Sündenpflaster!

Sie haben den Schmutz wohl häufig gefunden
In Ihren sündlichen Fleischesstunden
Bei Ihrem christlichen Eheweibchen?
In Frau Pastorens Flanellenleibchen?

Siehe auch das Gedicht Die Heinzelmännchen zu Köln von August Kopisch.

Anmerkung: Sittlichkeit ist das Konzept des „ethischen Lebens” oder der „ethischen Ordnung”, das vom deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel weiterentwickelt wurde. Es wurde erstmals in seinem "Werk Phänomenologie des Geistes" (1807) vorgestellt, um „ethisches Verhalten zu bezeichnen, das auf Bräuchen und Traditionen basiert und durch Gewohnheit und Nachahmung in Übereinstimmung mit den objektiven Gesetzen der Gemeinschaft entwickelt wurde” und wurde in seinem Werk "Grundlinien der Philosophie des Rechts" (1820) weiterentwickelt.

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